In Bern haben am Samstag, 18. August 2007 etwa 50 Schweizer und europäische Aktivisten für eine Reform der Hanfpolitik für ihre Opposition gegen die Schliessung des Ladens Growland und gegen die Verurteilung von André Fürst zu 29 Monaten Gefängnis ausgedrückt. Hanf-Info dankt herzlichst diesen motivierten und prompten Aktivisten, welche bei der Organisation und der Durchführung dieser Manifestation mitgeholfen haben. Eure Präsenz in Bern bildet eine starke Unterstützung, welche in diesen schweren Zeiten sehr geschätzt wird. Trotzdem macht diese kleine Avantgarde noch keinen Frühling aus. Die Mobilisierung entsprach nicht der Wichtigkeit. Wir müssen reagieren.

Drei Stände haben reichhaltige Informationen zu den vielen Anwendungen des Hanfs, zur politischen Agenda der Pro-Hanf-Initiative und zum Recht aufs Pflanzen der Encod an die hunderte Passanten, welche vom Wasserspiel angezogen wurden, verteilt. Trotz der kurzen Frist, in welcher diese Demonstration organisiert und beworben wurde, war die Teilnahme der Schweizer Hanfszene enttäuschend und beunruhigend, dies vor allem im Hinblick auf einen speziellen Gegenvorschlag zum Cannabis durch den Ständerat für die laufende Revision des BetmG und die anstehende Abstimmungskampagne für die Pro-Hanf-Initiative.

Nach der Welle der Hoffnung der neunziger Jahre verschwindet die Hanfpolitik wieder in der Versenkung und erleidet aktuell die volle Propagandaladung der Gegenseite. Heute zahlen die Pioniere der Wiederentdeckung des Hanfs in der Schweiz einen zu hohen Preis für ihren politischen und sozialen Mut, welcher doch während Jahren von den wichtigsten Experten und von der Mehrheit der Schweizer Behörden mitgetragen wurde. Kann Cannabis denn nur mit Missachtung von Freiheiten und Wahrheit, Diskriminierung und Stigmatisierung, Abstinenz und Repression behandelt werden?

Zahlreiche sind diejenigen, welche das Gegenteil denken, vor ihren Computerbildschirmen, vor allem im einlullenden Schutz der Blogs und der spezialisierten Foren oder während des Small Talks rund um einen Joint oder eine Ladentheke. Sehr wenige engagieren sich im Kampf gegen dieses grausliche Schicksal, und diese finden noch Weisen und Wege ungeordnet vorzugehen, ohne koordinierte Strategie oder Kommunikation, manchmal sogar mit sehr verschiedenen Positionen und Methoden.

Unter diesen Umständen haben die Anhänger des Status quo oder einer Null-Toleranz-Politik leichtes Spiel ihre Positionen bei den Medien und den Entscheidern durchzudrücken. Umfragen zu einer Reglementierung des Cannabis zeigen immer schlechtere Werte. Die Initiative geht den Bach runter. Wenn sie ein sehr schlechtes Ergebnis erreicht, sind die Hoffnungen auf eine Reform für die nächsten zehn Jahre zu beerdigen. Unsere Gegner haben dies kapiert, und man sollte nicht darauf hoffen, dass diese in ihrem Kampf nachlassen. Eher ist mit einer Verstärkung ihrer schlimmsten Propaganda zu rechnen.

Unter diesen Bedingungen müssen die Anhänger einer Reform, oder wenigstens einer vernünftigen Anwendung des BetmG, ihre Egos zügeln und die Grabenkämpfe verschieben und nicht der fatalistischen oder defätistischen Versuchung nachgeben. Wir können die Geschichte noch umbiegen, wenn wir rasch Aufgabenbereiche verteilen und endlich eine umfassende Strategie anwenden. Wenn wir hierbei scheitern, werden uns Rette-sich-wer-kann- und Desperado-Aktionen die letzten Illusionen rauben. Es bliebe nur noch die Hoffnung auf eine neue Generation von Militanten, welche unsere Fahne weitertrüge und endlich über die geborstene Mauer der Prohibition brächte.

Vereinigt Euch, so werden wir nicht besiegt werden!

Laurent Appel