Für den Anthropologen Jeremy Narby aus Pruntrut zeigen sich beim Hanf Parallelen zum Tabak: "Bei den Indios war der Tabak eine heilige Pflanze. Wir haben sie aus ihrem Kontext gerissen und aus ihr ein Rauschgift gemacht." Durch die "Indoor"-Hanfplantagen geschehe leider wieder genau dasselbe.
In Frankreich überlegt man sich, jugendlichen Kiffern die Roller wegzunehmen. Auch in der Schweiz hat sich 2003 die Gangart verschärft.
Kurt Hostettmann, Direktor des Instituts für pharmazeutische Biologie und Pflanzenchemie an der Universität Lausanne, verfolgt die Liberalisierungs-Debatte als Wissenschafter. Er ist gespalten: Zum einen sei er für eine Freigabe, denn die Schäden von Cannabis seien weniger schlimm als jene von Tabak und Alkohol.Andererseits beunruhigen den Professor die Auswirkungen von Cannabis auf jugendliche Konsumierende. Wenn ein Jugendlicher von Zeit zu Zeit einen Joint rauche, sehe er keine grossen Probleme. Andererseits führe die Einahme hoher Dosen zu verstärkten Suizidtendenzen.Deshalb spricht sich Hostettmann dafür aus, den Hanf je nach Cannabinol-Gehalt zu besteuern. Diese Haltung vertritt auch die Gesundheitskommission des Nationalrats.
Umgang mit Drogen lernen
Für den Anthropologen Jeremy Narby aus Pruntrut JU sind bewusstseinserweiternde Drogen ein Vehikel. Man müsse lernen, mit ihnen umzugehen. Genau so, wie man sich auch das Autofahren aneignen müsse. Das brauche zum einen Selbst-Unterricht und zum anderen eine Verkehrsordnung.Davon sei die Gesellschaft jedoch weit entfernt. Es habe sich in dieser Frage noch nicht einmal eine kohärente öffentliche Meinung herausgebildet, wie die aktuellen Diskussionen zeigten."Der Cannabiskonsum ist relativ harmlos und provoziert weit weniger Autounfälle oder Gewalttätigkeiten in der Ehe als der Alkoholkonsum", sagt Narby weiter. Allerdings sei Cannabis für ein noch nicht voll entwickeltes Gehirn schädlich. Für den Spezialisten in Sachen "Amazonas und Halluzinogene" zeigen sich Parallelen zum Tabak: "Bei den Indios war der Tabak eine heilige Pflanze. Wir haben sie aus ihrem Kontext gerissen und aus ihr ein Rauschgift gemacht." Durch die "Indoor"-Hanfplantagen geschehe leider wieder genau dasselbe.
"Beleidigung für die Intelligenz"
"Ich denke, es ist grundsätzlich eine gute Sache, den Hanfkonsum zu entkriminalisieren", bilanziert Narby. Eine Pflanze als illegal zu deklarieren sei ohnehin absurd. Ausserdem habe der Cannabiskonsum tausende Musiker, Architekten und Schriftsteller inspiriert. Cannabis zu verbieten sei eine Beleidigung für die Intelligenz, meint der Anthropologe.
Der Ethnobotaniker François Couplan aus Massonnens FR hat sich auf Wildpflanzen und auf deren Verwendung in der Küche spezialisiert. Wenn eine Pflanze verbannt werden müsse, dann sollte das die Tabakpflanze sein, sagt er. "Diese Pflanze ist giftig und wirkt tödlich, wenn man sie isst."Die Hanfpflanze hingegen könne man ohne Probleme in die Katogorie "essbare Pflanzen" einordnen. "Aber aufgepasst, der Hanf ist keine harmlose Pflanze", warnt der Ethnobotaniker. Sie öffne den Geist mehr als der Alkohol. Wenn man deren Wirkstoffe missbrauche, könne dies labile Persönlichkeit zerstören.
Hanfplanze nicht verteufeln
Man dürfe aber die Hanfpflanze deswegen nicht verteufeln. "Wir leben in einer Gesellschaft, die geprägt ist von Abhängigkeiten, und der Hanf wird nicht schlimme soziale Probleme auslösen", hält Couplan fest. Man müsse die Öffentlichkeit und die Politiker gut informieren, so dass diese mit Sachkenntnis entscheiden könnten.Der Ethnobotaniker beklagt sich über die Polarisierung in der Cannabis-Debatte. Es gebe Extremisten auf beiden Seiten. Er wünsche sich eine echte Grundsatzdebatte. "Wenn sich die Debatte verschärft, argumentiert man vermehrt mit abstrakten und moralischen Begriffen. Das ist schade."