Fedpol: Repression führt im Cannabis-Geschäft zu mehr Gewalt

Die Volksdroge Nr.1 und der Handel ein Milliardengeschäft.

Schweiz: Vermehrt Vermischung der Märkte für Cannabis und Kokain

9. September 2011

Schmuggel und Handel von Cannabis, Heroin und Kokain erfolgen zunehmend über die gleichen Kanäle. Zum einen betätigen sich kriminelle Gruppen vermehrt parallel in mehreren Drogenmärkten. Zum anderen gibt es Tauschgeschäfte, bei denen Personen aus der Schweiz bei Westafrikanern Kokain erwerben und statt mit Geld mit selber produziertem Marihuana bezahlen.

In den vergangenen Jahren häuften sich Hinweise, dass kriminelle Personen und Gruppen in der Schweiz den Handel von Heroin und Kokain zunehmend auch auf Cannabis ausweiten. Bezüglich der involvierten Händler, Taktiken und Gewaltanwendung gibt es bei Cannabis eine Annäherung an die Praxis von Heroin und Kokain.

Kriminelle ethnisch-albanische Personen und Gruppen, welche den Heroinhandel in der Schweiz dominieren, importieren Marihuana aus Albanien in die Schweiz und setzen es im Detailhandel ab. In einzelnen Fällen traten ethnisch-albanische Kriminelle zudem in der Finanzierung oder im Betrieb von Cannabis Indoor-Anlagen in der Schweiz in Erscheinung. Auf den Schmuggel-Routen über den Balkan wird gemäss übereinstimmenden Berichten internationaler Organisationen zunehmend Kokain und Marihuana transportiert.

Kriminelle Personen und Gruppen mit Herkunft Nordafrika, die bis heute im Haschisch-Markt eine wichtige Rolle spielen, fallen seit 2010 neu auch in einzelnen Kantonen der Deutschschweiz im Kokain-Handel auf. Gemäss Erkenntnissen internationaler Organisationen verläuft eine wichtige Schmuggelroute für Kokain über Westafrika per Transit Nordafrika nach Spanien. Von dort wird Kokain über ganz Westeuropa weiterverteilt. Für die Überfahrt über das Mittelmeer nutzen die Schmuggler die etablierten Kanäle, die seit langem für den Schmuggel von marokkanischem Haschisch verwendet werden.

Kriminelle Personen und Netzwerke mit Herkunft Westafrika haben grossen Anteil am Kokainmarkt in der Schweiz. Die Polizei stellt Personen aus Westafrika aber auch im Handel mit Marihuana fest; diese Personengruppe ist in der Statistik der Verzeigungen überrepräsentiert. Möglicherweise ist der Cannabis-Konsum bei Westafrikanern in der Schweiz verbreitet, Zahlen dazu liegen nicht vor.

Schliesslich finanzieren einzelne Personen aus der Schweiz ihren Kokainkonsum durch den Anbau von Cannabis. Dazu unterhalten sie kleinere bis mittlere Produktions-Anlagen. Sie verkaufen Cannabis direkt an die Konsumenten oder an Zwischenhändler und verwenden die Gewinne für den Kokainkonsum. Zudem liegen mehrere Hinweise vor, wonach Schweizer Produzenten ihr Marihuana direkt gegen Kokain eintauschen. Abnehmer sind in diesen Fällen oft Westafrikaner. Letztere konsumieren das Marihuana selber oder verkaufen es weiter.

BEURTEILUNG

Der gleichzeitige Verkauf von Cannabis und anderen Betäubungsmitteln ist in der Schweiz seit längerem bekannt. Neu ist hingegen, dass sich die verschiedenen Märkte bereits beim Schmuggel und Zwischenhandel berühren.

Es ist schwierig zu beurteilen, ob sich diese ansatzweise Vermischung der Drogenmärkte mittelfristig auch bei den Konsumgewohnheiten niederschlagen wird. Drogenkonsumenten – und dies gilt gerade für Cannabis – wählen den Wirkstoff und die Beschaffungsquelle meistens sehr bewusst aus. Cannabis, Heroin und Kokain sind punkto Konsumformen, Wirkung und Preis sehr unterschiedlich. Somit besteht nur begrenzt ein Risiko, dass Konsumenten von Cannabis vermehrt in Kontakt mit Opiaten oder Kokain kommen könnten.

Der Cannabismarkt Schweiz wird überwiegend durch die inländische Produktion versorgt. Der Anbau erfolgt auf industriellem Niveau und findet in Gewerberäumen, Wohnungen und leeren Ställen statt. Der Indoor-Anbau läuft im Verborgenen, die Anlagen sind teilweise bewacht oder gegen Diebstahl geschützt. In der Schweiz werden immer wieder Gewaltdelikte im Anbau-Milieu verzeichnet. Bei der Durchsuchung von Plantagen wurden wiederholt Waffen sichergestellt.

Der Konsum von Cannabis war in den vergangenen Jahren leicht rückläufig. Gleichzeitig sind die Preise tendenziell gestiegen. Die nur leicht rückläufige Nachfrage ergibt gekoppelt mit den deutlich höheren Preisen einen steigenden Umsatz im Cannabismarkt Schweiz. Der Cannabis-Schwarzmarkt boomt, die Umsätze wurden vom verstärkten polizeilichen Vorgehen gegen die Hanfindustrie kaum tangiert. Der Cannabismarkt Schweiz ist ein klassisches Beispiel dafür, wie die Bekämpfung von Konsum und Handel zur unerwünschten Wirkung eines steigenden kriminellen Profits führen können. Cannabis bleibt ein äusserst lukratives Geschäft mit vergleichsweise geringem Strafverfolgungsrisiko – ein Umstand, der kriminelle Akteure anlockt.