Cannabis sativa, eher bekannt unter dem Namen Marihuana oder einfach Hasch, gehört mit Sicherheit zu den umstrittensten Pflanzen der Neuzeit. Von den einen als harmloses Kraut mit entspannender und leicht bewusstseinserweiternder Wirkung gefeiert, wird es von staatlichen Institutionen in aller Regel als Einstiegsdroge verteufelt und bekämpft.
Seit Jahrtausenden wird der Hanf (Cannabis) gleichermassen als Faserlieferant, Nahrungs- und Genussmittel kulturell genutzt. Aber auch seine vielseitigen medizinischen Qualitäten wurden früh entdeckt. Hanf hatte einen festen Platz in vielen Hochkulturen sowie in der mittelalterlichen Medizin. Hildegard von Bingen gebrauchte ihn genauso, wie Samuel Hahnenmann der Begründer der Homöopathie.
Mit dem Siegeszug der pharmazeutischen Chemie geriet der Hanf immer mehr in Vergessenheit. Dazu kam die Prohibition in den USA, die sich auch auf den Hanf erstreckte. Verboten wurde der Anbau von Cannabis jedoch nicht aus medizinischen Gründen, sondern wegen massiver politischer Intervention, um den Genuss des Hanfes als Rauschmittel zu unterbinden. Dahinter standen vor allem wirtschaftliche Interessen. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufsteigende chemische Industrie wollte den billigen und nachwachsenden Rohstoff Hanf, der seit Jahrhunderten extrem haltbaren Faserstoff für Kleidung und Segel geliefert hatte, vom Markt vertreiben.
Drahtzieher der Hanfprohibition waren der Oelmagnat und Bankier Mellon, der Holzpapierfabrikant und Medienzar Hearst sowie der Chemieriese und General Motors Besitzer Du Pont, der die Additive für Benzin, die Sulfite für Holzpapier und Kunststoffe auf petrochemischer Basis herstellte. Chemiefasern und synthetisch-künstliche Arzneimittel waren der grosse Renner und sind es heute, denn die Gewinnspanne durch ihre Vermarktung ist entsprechend hoch.
Trotz anhaltendem Verbotes des Hanfanbaus, ist die Cannabispflanze seit einigen Jahren wieder besonders im Gespräch. Patienten mit Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Aids und spastische (krampfartig, Anmerkung der Redaktion) Erkrankungen, wie z.B. Multiple Sklerose, denen mit synthetisch-künstlichen Pharmaka nicht beizukommen ist, sprechen auf Hanf an. Bei Multiple Sklerose (MS) dämpft Cannabis die motorische Dysfunktion, die Gelenkbeweglichkeit wird besser. Bei Krebs- und Aidsleiden können die Nebenwirkungen der Chemotherapie - Schwäche, Schwindel, Erbrechen sowie Appetitlosigkeit - weitestgehend durch Cannabisgenuss reduziert werden. Bei Aids-Patienten wird der Appetit so angeregt, dass sie mehr Nahrung zu sich nehmen. Ihr Körpergewicht nimmt zu, dadurch verlängert sich ihre noch zu erwartende Lebensspanne.
Ein wichtiger Anwendungsbereich des Cannabis in der Medizin ist das Glaukom (Grüner Star). Wenn das Auge zuviel Augenflüssigkeit, das sogenannte Kammerwasser, produziert, kann der Sehnerv durch den erhöhten Augeninnendruck geschädigt werden. In den USA und der westlichen Welt leiden 1,5 Prozent der Fünfzig- und etwa 50 Prozent der Siebzigjährigen unter einem Glaukom.
Cannabis senkt den Augeninnendruck und erhält dadurch die Sehfähigkeit im Alter.
Seit der spektakulären Entdeckung der Cannabisrezeptoren im menschlichen Gehirn und des körpereigenen THC (Tetrahydrocannabinol), dem die Wissenschafter William Devane und Raphael Mechpulam an der Hebräischen Universität Jerusalem 1992 den Namen "Anandamit" (Ananda ist das Sanskritwort für Glückseligkeit) gaben, wird international auf diesem Gebiet geforscht. Jedoch gibt es kaum praxisbezogene Studien, die das Ziel haben, Cannabis als Medikament zu rehabilitieren.
Worin ist der Grund zu suchen? "Manch ein Forscher", bemerkt Dr. Ellis Huber Präsident der Aerztekammer Berlin, der sich möglicherweise sonst mit der therapeutischen Wirkung von Cannabinoiden befassen würde, scheut den Umgang mit einer Droge, der den Ruf des Verbotenen anhaftet, auch wenn das Betäubungsmittelgesetz eine Verwendung zu wissenschaftlichen Zwecken gestattet.
Hoffen wir, dass sich in Zukunft die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Medizin zugunsten der oekologischen Vielzweckpflanze Hanf entscheiden, - auf dem Weg zu etrwas mehr Natur.

Köbi Kaufmann

Zitate

-  "Hanf wurde nicht trotz, sondern wegen seiner vorzüglichen Eigenschaften verboten."
-  "Wer ein leeres Gehirn hat und Hanf isst, dem bereitet er etwas Schmerz im Kopf. Aber dem gesunden Kopf und dem vollen Gehirn schadet er nicht."

Hildegard von Bingen (1098 - 1179)