Das Gilles de la Tourette Syndrom ist eine häufige und komplexe neuropsychiatrische Erkrankung, die durch motorische und sprachliche Tics und schwere Verhaltensstörungen gekennzeichnet ist. Obwohl die Ursache bis heute nicht bekannt ist, sprechen viele Befunde für Funktionsstörungen in bestimmten Bereichen des Gehirns. Vereinzelte Beobachtungen legen seit längerer Zeit nahe, dass Nikotin-, Alkolhol- und Hanfkonsum die Symptomatik günstig beeinflussen können.

Studie mit Patienten, die am Tourette-Syndrom leiden

Bei 47 Personen (Alter 15-64 Jahre) mit gesicherter Diagnose Tourette-Syndrom wurde ermittelt, ob eine Symptomveränderung durch Nikotin-, Alkohol- und Hanfgebrauch wahrgenommen wurde und welcher Art diese Veränderung war. Die Patienten wurden mittels eines standardisierten Interviews über ihre Konsumgewohnheiten befragt und darüber, wie Nikotin, Alkohol und Hanf Ihre Symptome gegebenenfalls beeinflussten.

Ergebnisse der Studie

Nikotin: von den 28 Rauchern unter den Patienten verspürten lediglich 2 (7%) eine Verbesserung (Ticverminderung) durch das Rauchen.

Alkohol: von 35 Patienten mit gelegentlichem oder regelmässigem Alkoholkonsum gaben 24 (69%) an, dass Alkohol die Symptome deutlich beeinflusse im Sinne einer Verminderung der sprachlichen und motorischen Tics. Die restlichen Patienten verspürten keinerlei Veränderung durch den Alkoholkonsum. Kein Patient berichtete über Symptomverschlechterung. Alle Patienten, die eine Linderung durch Alkohol empfanden, berichteten über eine regelmässig eintretende Verschlechterung am nachfolgenden Tag für einige Stunden.

Hanf: 13 Patienten (10 gelegentliche, 3 regelmässige Konsumenten). 11 von ihnen (85%) empfanden eine deutliche Verbesserung während des Hanfkonsums. Kein Patient berichtete über eine Verschlechterung.

Diskussion um die Therapie des Tourette-Syndroms

Aufgrund verschiedener Studien wird angenommen, dass der Krankheit eine Störung im Gleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter) und anderer Regelkreise im Gehirn zugrunde liegt. Neuroleptika, die derzeit gebräuchlichen Medikamente zur Therapie des TS sind bekannterweise nicht ohne erhebliche Nebenwirkungen. Es liegt daher nahe, alternative, besser verträgliche Therapiemöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Eine Therapie mit Nikotin, die durch frühere Studien angeraten schien, ist kaum geeignet: durch die vorliegende Studie konnte keine günstige Wirkung des Nikotins in den gebräuchlichen Mengen nachgewiesen werden und die mutmasslich notwenigen hohen Dosen wären mit zu starken Nebenwirkungen verbunden. Auch Alkohol ist kaum angezeigt; im Gegenteil sollten Patienten, die einen günstigen Einfluss durch Alkohol verzeichnen, ausdrücklich auf das möglicherweise genetisch begründete häufigere Vorkommen von Alkoholabhängigkeit unter TS-Patienten aufmerksam gemacht werden. Hanf (Cannabinoide) hingegen könnte in Zukunft, nach weiteren klinischen Prüfungen, therapeutisch zur Anwendung kommen.

Quelle:
K.R. Müller-Vahl et al., Forsch. Komplementärmedizin
1999;6(suppl):23-27
www.acmed.org

Ausführliche Unterlagen können bei Hanf-Info angefordert werden (info@hanf-info.ch)