Auf der Basis einer am 15. September im BMC Medizinjournal online veröffentlichten Studie könnten antivirale Medikamente aus nicht psychoaktiven Varianten des THC entwickelt werden.

Die Substanz, die beim Cannabis das "high" verursacht, kann unter Umständen auch die Vermehrung verschiedener Arten von krebserregende Herpes-Viren hemmen. Dies fanden Wissenschaftler des Colleges of Medecine der University of South Florida in den USA heraus.

Auf der Basis dieser am 15. September im BMC Medizinjournal online veröffentlichten Resultate könnten antivirale Medikamente entwickelt werden, die auf den nicht psychoaktiven Varianten des THC beruhen.

Zu den Gamma Herpes-Viren gehören auch jene Herpes-Viren, die vermutlich das Kaposi-Sarkom auslösen. Eine Infektion mit diesen Viren führt zu einem erhöhten Risiko, an dieser vor allem bei AIDS-Kranken verbreiteten Krebsart zu erkranken. Ein weiteres Virus dieser Familie ist das Epstein-Barr-Virus, das bei Infizierten zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko Risiko für das Burkitt’s Lymphom und die Hodgkin’schen Krankheit führt.

Bei einmal infizierten Personen kann das Virus jahrelang in einem Latenzstadium in den weissen Blutkörperchen verharren, um dann eines Tages unvermittelt auszubrechen und sich stark zu vermehren. Bei dieser Reaktivierung des Virus steigt die Zahl der infizierten Blutzellen und damit das Risiko einer Entartung zu Krebszellen.

Das Team um den Virologen Peter Meveczky fand heraus, dass die Reaktivierung des Virus durch die Anwesenheit von THC im Kulturmedium der Zellen verhindert wird. Weisse Blutkörperchen, die mit einem Mäuse-Gamma-Herpesvirus infiziert sind, sterben normalerweise bei der Reaktivierung des Virus ab. Bei Meveczkys Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Zellen überlebten, wenn sie in einer Nährlösung wuchsen, die das Cannabinoid enthielt.

Es zeigte sich auch, dass THC spezifisch auf die Gamma-Herpesviren wirkt. Das Cannabinoid hatte z.B. auf die Herpes-Simplex 1-Viren keine Wirkung. Letztere gehören zur gleichen Familie wie die Gamma-Viren und können Erkältungen, Halsschmerzen und Genitalherpes verursachen.

Sogar niedrige Konzentrationen von THC waren selektiv wirksamer gegen die Gamma-Herpesviren als die üblichen antiviralen Medikamente Acyclovir, Gancicyclovir und Foscamet, so Professor Meveczky von der Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Immunologie.

Als Ursache für die selektive Wachstumshemmung der Gamma-Herpesviren vermuten die USF-Forscher eine spezifische Wirkung des THC auf ein allen diesen Viren gemeinsames Gen, das so genannte ORF50.

Dr. Meveczky wies jedoch darauf hin, dass noch weitere Untersuchungen nötig seien. "Wir haben die Wirkung bisher nur auf Zellkulturen getestet und nicht an Tieren. Wir raten den Leuten ab, jetzt Cannabis zur Krebsvorsorge oder -Therapie einzunehmen".

Es hätte sich nämlich herausgestellt, dass THC das Immunsystem beeinträchtige. Cannabisrauchen sei für Patienten mit bereits geschwächter Abwehr eher schädlich als nützlich, meinte Dr. Meveczky.

Quelle: Medical News Today, 23.9.2004
Übersetzung: HCK/Hanf-Info Murten