Ein im "Le Matin" am 30.6.2004 erschienener Leserbrief erhellt das Nein des Nationalrats zum Eintreten in die Revision des Betäubungsmittelgesetzes (BtmG): Die konservativen Parteien, Polizei und Justiz, die Anti-Drogenkomitees, die Massenmedien und schlussendlich der Nationalrat wurden durch Scientologenpropaganda indoktriniert.

Suzanne Montangero, vom Scientologen-"Tempel" in Lausanne, hat bestätigt, dass Scientologen-Organisationen wie "Narconon" oder "Sag’nein zu Drogen, ja zum Leben" in der ganzen Schweiz über 600’000 Broschüren an Politiker, Studenten, Polizisten, medizinisches Personal usw. verteilt haben. Und wie viele "Kongresse" am sonnigen Strand, Seminare in Luxushotels, wie viele gut präparierte Pressedossiers, Weihnachtsbatzen, Geschenke aller Art und andere Privilegien dazu?

Die Sekte versucht alles, um dem Traktat einen offiziellen Anstrich zu geben, indem sie es in Schulen, Pflegezentren, seriösen Vereine, Polizeiwachen usw. auflegen lässt. Dies tut sie sogar, wenn sie dabei einen Skandal riskiert, wie dies im kantonalen Gymnasium in Porrentruy geschah. So läuft dies seit 1966, dem Jahr, als Ron Hubbard (der Gründer der Sekte und Erfinder des Narconon-Programms) seinen Feldzug auf das Bewusstsein der Drogenbenützer, das Geld der Familien Drogensüchtiger und auf öffentliche und private Subventionen begann.

Das Entzugsprogramm für mehrere Drogen war vom "Autor und Humanisten" (sic!) Hubbard entwickelt worden. Er hatte selber nie Medizin studiert. Er hatte sein ganzes Leben lang Berufsdiplome, persönliche Fähigkeiten und seine Vergangenheit erfunden. Dieses "Erziehungsprogramm", welches die Bagatelle von 15’000 US$ kostet, wendet sich vor allem an Schüler. Dies hat die Scientologenkirche selber zugegeben. Man darf also die Kompetenz und die Glaubwürdigkeit dieses Scharlatans anzweifeln. Hunderte von Experten und zig Millionen Franken wurden für Forschungsgruppen und -projekte in Drogenangelegenheiten eingesetzt, wie z.B.; La Guardia in den USA, Dain in Kanada, Henrion und Roques in Frankreich, den Cannabisreport des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit oder gar einen Bericht, welcher von der WHO 1998 schubladisiert wurde. Alle diese Berichte widersprechen den Meinungen der Scientologen, aber keine der darin enthaltenen Empfehlungen wurde je in einem Gesetz berücksichtigt. Die USA, Frankreich, Schweden und jetzt auch die Schweiz folgen blindlings dem Modell der UNO-Drogen-Organisation UNDCP, welches nur allzu sehr einer Kopie der Hirngespinste Ron Hubbards und seiner Schergen ähnelt.

Seit seiner Entstehung werden die Ineffizienz und die fragwürdigen Ziele des Narconon-Programms und der Kampanie "Sag’ nein zu Drogen" von Journalisten und offiziellen Stellen angeprangert. 1991 stellte eine vom Oklahoma State Board of Mental Health durchgeführte Studie mit dem Titel "Findings of Fact and Conclusions of Law on the Narconon Chilocco Application for Certification" fest, dass dieses Programm für Leute in guter moralischer und körperlicher Verfassung gefährlich oder gar tödlich sein kann, dies vor allem wegen dem brutalen Entzug, welcher von "reinigenden" Sauna-Sitzungen begleitet wird, welche für den bereits gestressten Körper katastrophal sind. Die meiste Zeit der Kur wird nicht zur Heilung, zur Prävention oder zur Wiedereingliederung der Patienten, welche Drogen- oder Alkoholmissbrauch betrieben hatten, genutzt, sondern vor allem zur Rekrutierung und Formung neuer Jünger verwendet wurde.

Details, siehe: http://www.shipbrook.com/jeff/CoS/narconon/osb1992.html

In gewissen Ländern wie Belgien, musste Narconon seine Aktivitäten einstellen, um dann unter dem Deckmäntelchen von "Sag’nein zu Drogen" oder anderen trojanischen Pferden wieder aufzutauchen. Es bestehen Internet-Seiten, welche diese Affäre zusammenfassen, weitere Links und eine umfassende Bibliographie anbieten:

http://www.resistances.be/sciento06.html
http://narconon.critique.free.fr/faits-principaux.htm
http://www.shipbrook.com/jeff/CoS/narconon/

Unterwanderung, Lobbying und Geschäftemacherei sind drei der zweifelhaften Qualitäten dieser weltumspannenden Organisation. Die Beeinflussung der Meinungsfreiheit, die Kontrolle der Machthaber und vor allem die wirtschaftliche und kulturelle Vorherrschaft der USA im Sinne Hubbards entsprechen den wahren Ziele dieser Pseudo-Kirche. Ihre Anhänger werden in der Politik, in den Medien, in der Lehrerschaft, in der Justiz und den Wissenschaften der Länder der ersten Welt rekrutiert oder plaziert. Diese verpassen keine Gelegenheit, ihre frohe Botschaft zu verbreiten und ihre Familien und Kollegen anzustecken.

Das amerikanische Modell des "Kriegs gegen Drogen", welches in den dreissiger Jahren von zwei perversen Karrieristen, Anslinger und Hoover, lanciert wurde, wurde von Hubbard zu Zeiten der "French Connection" wieder aufgenommen, während der Iran-Contra-Affäre verstärkt und läuft heute gegen Exstasy, Kokain und Cannabis; dies mit den gleichen Scheinargumenten, den gleich zweifelhaften Experten, derselben religiös begründeten Moralität, den gleichen geopolitischen, ökonomischen und soziologischen Interessen. Auch die Logik dahinter ist dieselbe: einerseits organisiert man die Seuche, andererseits repariert man die Kollateralschäden.

Währenddem gewisse unserer Führer die Verbreitung der Drogen planen, um den militärisch-industriellen Komplex und die Weltfinanz zu bereichern, arbeiten andere an der Vertiefung der Verbote als einzigen Schutz gegen die Drogen und an der Verbreitung zweifelhafter Methoden zur Heilung. Diese Scheinheiligkeit erlaubt die konstante Erhöhung der Budgets für die Repression, die soziale Kontrolle von Risikogruppen in der Bevölkerung, die Arbeit vieler Sekten, das Monopol der Pharmaindustrie auf den Heilpflanzen... und einige andere Schandtaten.

Von der, ursprünglich amerikanischen, Verschwörung gegen den Hanf verursacht durch ein Interessenkartell amerikanischer (Chemie-)Industrieller, um die traditionelle ländliche Gesellschaft platt zu walzen, bis zur aktuellen Ablehnung, das hiesige BtmG zu ändern, bleibt die Ideologie dieselbe: politische, wissenschaftliche und religiöse Demagogie, welche die eigentlichen Interessen verdeckt. Egal, welches Betäubungsmittel in Mode ist, Jede Generation muss sich denselben Blödsinn anhören, welcher sich bis heute kaum verändert hat.

In den siebziger Jahren begann die CIA ihr Programm "Cointelpro", um in grossem Massstab Crack und Heroin zu verteilen. Dies tat sie vorerst, um oppositionnelle Bewegungen wie die Black Panters und andere zu unterminieren. In der Folge, in den achtziger Jahren, diente die Fortsetzung der Unterstützung anti-kommunistischer Guerilla-Bewegungen in Lateinamerika, vor allem in Nicaragua. Der Verkauf hatte vor allem in den schwarzen und hispanischen Ghettos zu erfolgen... aber die Drogen überschwemmten das ganze Land und seine Bevölkerung. Diese Mechanismen werden im Dokumentarfilm von France2/Capa "A qui profite la cocaïne" dargestellt oder auf Internet-Seiten wie

http://www.styvoo.ch/article364.html
http://www.confidentiel.firstream.net/article.php3?id_article=75

Zur selben Zeit lösten George Bush (ehemaliger Chef der CIA) und Ronald Reagan (der sich an nichts erinnerte) in Kolumbien Angriffe auf geheime Kokain-Labors von Pablo Escobar aus und vertrieben den Diktator und Dealer Noriega, obwohl beide Ex-Agenten der CIA waren. Nancy Reagan, die sehr medienwirksame Ehefrau, lancierte die Kampagne "Sag’nein zu Drogen". Das Beispiel der First Lady wird auf der Homepage und in den Broschüren von "Sag’nein zu Drogen, ja zum Leben" oft zitiert

http://www.adnad.org/Home-FRT-fr/home-frt-fr.html

In einem nächsten Artikel werde ich Punkt für Punkt die Lügen dieser amerikanischen Propaganda-Maschine, welche weltweit ihren Schaden anrichtet, widerlegen.

Eine Intervention des Europa-Abgeordneten Sacrédeus (PPE, DK) während der Debatte im europäischen Parlament zur Reform der Drogenkonventionen vom 8.4.2003 ist verräterisch: "Ich möchte folgende Frage an die Referentin Frau Buitenweg (NL) stellen: Auf welche Weise schützen, gemäss Ihrer Ansicht, die holländischen Politiker die Rechte der Kinder, wie geben diese den holländischen Vätern und Müttern die nötige Energie, um den Kindern zu sagen: ’Sagt nein zu Drogen, sagt nein zu Cannabis’ ?" Wieso verwendet dieser dänische Abgeordnete exakt die gleichen Worte wie die Scientologen? Ausdrücke, welche in der letzten Zeit auch viele Leute in der Schweiz, vor allem aus der SVP und der CVP benutzen.

Für Sekten sind Drogen ein gutes Werkzeug zur Kontrolle oder Destabilisierung. Sie benutzen die psychologische Schwäche der Drogenabhängigen, um sie in ihre Fänge zu kriegen. Charles Manson hat die Mitglieder seiner Gruppe unzähligen psychedelischen Sitzungen, welche er persönlich leitete, unterworfen. Die Aum-Sekte hat beinahe 5000 ihrer Anhänger LSD-Experimenten ausgesetzt. 1995, während einer Durchsuchung der Labors der Sekte, welche über eigene Chemiker verfügt, entdeckte die Polizei eindrückliche Mengen an LSD. Eine andere abartige Versklavung, welche man in den Strasse antrifft, sind die Boten des "Patriarchen", bekannt auch als Lucien J. Engelmajer. Dieser humanistische "Guru" schlägt den Drogenabhängigen auf Entzug vor, Hefte oder Bücher der schlechtesten Qualität, Gedichte, Romane, Autobiographien, welche aus seiner Küche stammen, zu verkaufen. Gutgläubige, verwirrte Leute arbeiten gratis, um die Hirngespinste eines alten Grössenwahnsinnigen zu verbreiten. So werden Drogen zur Waffe.

http://kollectiftp.lautre.net/stup/pouvoirdrug.htm

Es ist an der Zeit, diese verstaubten Debatten zu vergessen, um endlich eine pragmatische und wirksame Drogenpolitik durchzuziehen, welche auf dem Vier-Säulen-Modell basiert, das sich wiederum viel besser bewährt hat, als es all die Verbotsanhänger auf der ganzen Welt je geschafft haben.

"Ich wette mit Dir, dass in naher Zukunft, Politiker der Rechten das Drogenproblem und die Drogenabhängigkeit als Ausrede benutzen werden, um eine weltumspannende Polizeiorganisation aufzustellen". W.S. Burroughs im Film Drug Store Cowboy (1989)

Murten, 1. Juli 2004
Laurent Appel