„Wohl die letzte Chance“

Präventivmediziner Gutzwiler sieht im Gegenvorschlag die letzte Möglichkeit, den Cannabiskonsum zu entkriminalisieren.

Ihr gestern von der Gesundheitskommission gutgeheissener Gegenvorschlag unterscheidet sich nur minim von der Initiative . . .

Felix Gutzwiler: Nein, beim Vorschlag geht es nur darum, dass der strikte Eigenkonsum von Cannabis bei Erwachsenen nicht mehr dem Strafgesetzunterstellt ist. Selbstschädigung ist auch sonst nicht strafbar. Prävention, nicht Strafverfolgung ist angesagt. Handel und Anbau bleiben aber im Gegensatz zur Volksinitative verboten. Warum setzten Sie sich so stark für die Entkriminalisierung des Cannabiskonsums ein?

Selbstschädigendes Verhalten bei Erwachsenen zu bestrafen bringt nichts; wir tun es nicht bei übermässigem Alkoholkonsum und beim Selbstmordversuch um nur zwei Beispiele zu nennen. Hingegen habe ich mich schon immer für den verbesserten Jugendschutz eingesetzt. Als Präventivmediziner müssten Sie aber um die Gefährlichkeit von Cannabis wissen?

Ja, klar, der Konsum von Cannabis sollte möglichst gering sein, wie bei allen andern risikoreichen Substanzen. Deshalb braucht es eine kohärente Suchtpolitik, die das selbstverständliche Individuum in den Mittelpunkt stellt. Wie schätzen Sie die Chancen in der nationalrätlichen Gesundheitskommission ein, gilt diese doch eher als konservativ?

Es wird schwierig, aber die ständerätliche Gesundheitskommission versucht hier eine Brücke zu bauen, zusammen mit der verabschiedeten Teilrevision des Betäubungsmittelgesetzes. Das ist wohl die letzte Chance, den Cannabiskonsum für Erwachsene zu entkriminalisieren, denn ich glaube nicht, dass die Hanfinitiative der richtige Weg ist.

Interview: Gregor Poletti, 09.01.2008 sda, aus: Bieler Tagblatt, Biel