Wissenschaft: Autofahrer mit THC im Blut haben nur ein geringfügig erhöhtes Unfallrisiko

Wissenschaftler des französischen Nationalinstitutes für Transport- und Sicherheitsforschung (INRETS) sowie anderer französischer Forschungseinrichtungen stellten in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" die Ergebnisse der bisher größten Untersuchung zu Cannabis im Straßenverkehr vor. Diese von der Regierung finanzierte Studie bestätigt Ergebnisse früherer Untersuchungen, nach denen Cannabiskonsum keine oder nur eine geringe Zunahme des Unfallrisikos verursacht. Wie bereits in einer im Jahre 2004 veröffentlichten australischen Untersuchung beobachtet wurde, stieg das Risiko mit zunehmender THC-Blutkonzentration an.

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Die Fall-Kontroll-Studie umfasste 10.748 Fahrer von Kraftfahrzeugen (überwiegend Pkws), die zwischen Oktober 2001 und September 2003 in Frankreich in Unfälle mit Todesfolge verwickelt waren. Die Forscher verglichen die 6766 Fahrer, die als Unfallverursacher betrachtet wurden (Fälle), mit 3006 Fahrern, die aus den 3982 übrigen Fahrern ausgewählt worden waren (Kontrollen). 681 Fahrer wiesen eine THC-Blut- Konzentration von über 1 ng/ml auf, von denen 42 Prozent zusätzlich eine Blutalkoholkonzentration von über 0,5 Promille aufwiesen. 60,5 Prozent der THC-positiven Fahrer waren jünger als 25 Jahre alt, verglichen mit 24,5 Prozent in der gesamten Gruppe der 9772 analysierten Fahrer.

Der Nachweis von THC war mit einem erhöhten Risiko für die Unfallverursachung von 3,3 assoziiert. Es bestand eine Dosis- Wirkungsbeziehung. Eine THC-Blutkonzentration von weniger als 1 ng/ml war mit einer Verursachungsrate von 2,2 assoziiert, die bei einer THC-Blutkonzentration von über 5 ng/ml auf 4,7 anstieg. Wenn das zusätzliche Vorkommen von Alkohol über 0,5 Promille berücksichtigt wurde, nahm das Risiko für THC- positive Fahrer von 3,3 auf 2,4 ab, und wenn das Alter der Fahrer und weitere Einflussfaktoren berücksichtigt wurden, sank das Risiko für die THC-positive Gruppe weiter auf 1,8 ab. Nach Berücksichtigung aller Einflussfaktoren war eine THC- Blutkonzentration unter 1 ng/ml mit einem erhöhten Risiko von 1,6 assoziiert, das bei einer THC-Blutkonzentration über 5 ng/ml auf 2,1 anstieg. Ein Alter unter 25 Jahre war mit einem erhöhten Risiko von 1,9 assoziiert. Das angepasste Risiko für Alkohol über 0,5 Promille Blutkonzentration betrug 8,5. Aus ihren Daten schrieben die Forscher 2,5 Prozent aller tödlichen Unfälle dem Cannabis und 29 Prozent dem Alkohol zu.

In einem Leserbrief an das British Medical Journal schrieb Dr. Franjo Grotenhermen vom deutschen nova-Institut: "Die Darstellung der Ergebnisse in der Zusammenfassung ist ein wenig irreführend. Die Zahlen für die unangepassten Odds Ratios legen eine Risikoerhöhung um mehr als das Dreifache für alle THC- positiven Fahrer und eine mehr als zweifache Erhöhung selbst für Fahrer mit einer THC-Blutkonzentrationen von weniger als 1 ng/ml nahe. Allerdings zeigt eine genauere Betrachtung der Ergebnisse, dass zwei Faktoren zu dem erhöhten Unfallrisiko beitrugen, nämlich Alkoholkonsum und das niedrigere Alter der THC-positiven Fahrer verglichen mit dem Gesamtkollektiv. Etwa 42 Prozent der THC-positiven Fahrer wiesen zudem eine Blutalkoholkonzentration (BAK) von mehr als 0,5 Promille auf. Selbst eine BAK unter 0,5 Promille war in der Studie mit einem erhöhten Risiko um den Faktor 2,7 verbunden, es wurden jedoch keine Daten zum Anteil der THC-positiven Fahrer mit einer zusätzlichen BAK von weniger als 0,5 Promille angegeben. Daher sind keine Informationen über die Fahrer verfügbar, die nur THC in ihrem Blut aufwiesen, sowie über ihr Unfallverursachungsrisiko, was bisher die übliche Art und Weise der Ergebnisdarstellung in früheren Studien war."