Weniger Zigis verkauft - mehr geschmuggelt

Der Verkaufsrückgang sei zu einem guten Teil durch Schmuggel, Schwarzmarktverkäufe und den illegalen Verkauf übers Internet zu erklären.

Blick Online 15 09 2005

BERN - 50 Rappen mehr für das Päckli: Das bleibt den Rauchern offenbar die Luft weg. Die Industrie wird 2005 rund 10 Prozent weniger Markenzigis verkaufen.

Ist der Rückgang nun ein Erfolg der Schweizer Gesundheitspolitik? Darüber wird heftig gestritten. Fakt ist: In der Schweiz wurden im vergangenen Jahr rund 14 Milliarden Zigaretten verkauft. Dieses Jahr sollen es 1,4 Milliarden weniger sein.

Der Grund? Vermutlich hat der Steuerpreisaufschlag von 50 Rappen pro Päckli Zigaretten vom vergangenen Dezember viele Raucher zum Aufhören gebracht. Bisher war der Markt jeweils nur um 2 bis 3 Prozent jährlich zurückgegangen, berichtete die DRS-Sendung Espresso.

Die Tabakindustrie sieht das ganz anders. Philip-Morris-Sprecher Fritsch will Beweise haben, dass durch Preisaufschläge die Nachfrage nach Drehtabak und billigeren Discountzigaretten wachse. Der Drehtabak habe in der Schweiz um fast 60 Prozent allein in diesem Jahr zugelegt, verglichen mit 2001 habe sich der Verkauf sogar verdreifacht.

Dagegen reklamiert Philippe Vallat, Leiter der nationalen Tabakprävention im Bundesamt für Gesundheit, den Rückgang der Verkäufe als Erfolg der bundesrätlichen Tabakprävention. Die sehe halt auch Preisaufschläge vor. Er befürworte daher auch Mindestpreise für Discountzigaretten, die derzeit etwa einen Franken billiger sind als Markenzigaretten.

Überhaupt keinen Optimismus zeigt Fritz Weber, Leiter der Sektion Tabak- und Bierbesteuerung der Oberzolldirektion. Er gehe nicht davon aus, dass viel weniger Zigaretten in der Schweiz geraucht würden. Der Verkaufsrückgang sei zu einem guten Teil durch Schmuggel, Schwarzmarktverkäufe und den illegalen Verkauf übers Internet zu erklären.