Tirol: Die Polizei stellt einen Trend zum Eigenanbau fest

und fahndet verstärkt nach den Gras-Züchtern.

Die Polizei stellt einen Trend zum Eigenanbau fest und fahndet verstärkt nach den Gras-Züchtern. In immer mehr Tiroler Kellern finden die Kriminalisten Cannabis-Zuchtanlagen.

09.08.2006

Online: http://www.tirol.com/chronik/innsbruck/42924/index.do

Für die einen ein besserer Wald­tschick, für die anderen die Einstiegsdroge schlechthin, für die Polizei mit Sicherheit jede Menge Arbeit - Cannabis ist auch in Tirol weiter auf dem Vormarsch.

Nach der Entdeckung einer Zuchtanlage in Vomperbach am Montag haben Schwazer Kriminalisten nur einen Tag später bereits die nächste Gras-Anlage auffliegen lassen. Im umgebauten Kleiderschrank fanden die Beamten sieben erntereife Hanf-Stauden sowie 155 Gramm bereits getrocknetes Marihuana. Der 35-jährige Hobby-Züchter galt wie sein 41-jähriger Kollege aus Vomperbach als unbescholten.

Auch in Höfen bei Reutte stellten Suchtgiftermittler am Dienstag rund 40 Gramm Cannabisblüten sicher. Und die Kriminalisten rechnen mit zahlreichen weiteren Aufgriffen.

"Immer mehr Tiroler bauen die Droge selbst an. Vermutlich, weil die Pflanze gut gedeiht, der Wirkstoff weit höher als früher und der Anbau nicht kompliziert ist", vermutet der Chef des Landeskriminalamts (LKA) Walter Pupp den Anstieg der Gras-Züchter im Land.

Die Polizei rechnet nach dem sonnigen Sommer heuer mit besonders vielen Stauden und hoher Qualität. "Deshalb werden wir verstärkt fahnden", versichert Pupp.

Neben der berüchtigten Marokkaner-Szene in Innsbruck, die an verschiedenen Plätzen neben harten Drogen auch Marihuana zum Kauf anbietet, geben die enttarnten Heim-Anbauer meist an, die Droge für den eigenen Konsum zu züchten. "Dabei handelt es sich natürlich vielfach um eine Schutzbehauptung", erklärt Pupp. "Der Verdacht, dass mit dem Rauschgift gehandelt wird oder es zumindest an Bekannte weitergegeben wird, liegt nahe." Wie viel des in Tirol konsumierten Marihuanas auch hier angebaut wird, "ist jedoch nur schwer abzuschätzen. Der Trend geht aber deutlich zur Selbstversorgung", bestätigt der LKA-Chef.

Bei Cannabisprodukten, wie Marihuana (die getrockneten Blüten der Pflanzen) oder Haschisch (das Harz der Pflanze) handelt es sich um die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Tirol. Das bestätigen sowohl die Zahlen der Kriminalstatistik als auch Erfahrungswerte der Drogenberatungsstellen im Land.

Und dass das Verbot nicht nur auf dem Papier steht, sondern effektiv durchgesetzt wird, belegt die Tatsache, dass 2005 allein in Tirol rund 120 Kilo Cannabisprodukte bei 776 Aufgriffen sichergestellt wurden. 3145 Anzeigen schrieb die Tiroler Polizei allein im Zusammenhang mit Besitz, Handel oder Weitergabe von Cannabis.

Konsumiert werde Cannabis von Tirolern jeden Alters und jeder sozialen Schicht, erklärt Gregor Herrmann von der Suchtpräventionsstelle kontaktco. "Den klassischen Kiffer gibt’s eigentlich nicht. Allerdings gibt es genügend 40-Jährige, die regelmäßig ihren Joint rauchen." Vor allem seien aber die 20- bis 30-Jährigen am grünen Rausch interessiert, unter älteren Semestern nehme der Konsum wieder ab.