PJgD Medienspiegel: Titelgeschichte im Facts Nr1/2006

von Geri Müller, Nationalrat

Liebe KollegInnen

Ich habe gegenüber diesen himmeltraurigen Schreiberlingen des Facts "gesatant", das tat gut und ich war damit bereit, um wieder ruhig und besonnen mit anderen Journis zu reden. Der Beitrag im Echo war m.E. wieder geläutert (von Lobisten gekauft). Hier also mein Ausfall: Morgen werde ich dann aber noch mit Durisch reden und hoffe, dass der der Vernunft näher steht.

http://www.geri-mueller.ch/

Geri Müller seit 2003 Nationalrat für die Grünen/AG

www.projugendschutz.ch

Die Jugendlichen müssten endlich lernen können, mit den Genüssen umzugehen, statt mit einem schlechten Gewissen zu leben.

Guten Abend Herr Lanz

Facts vermittelt den Eindruck, Fakten zu verbreiten. Ihr Artikel in der letzten Ausgabe vermittelt -zumindest was meine Aussagen betrifft - eben keine. Im Gespräch vermittelten Sie mir einen anderen Eindruck über die Berichterstattung, als Sie es in diesem "Artikel" machten. Nun habe ich die Sauce, erhalte x Anrufe und muss allen erklären, dass die Zitate stimmen, aber in einem anderen Zusammenhang. Ich verlange eine Richtigstellung: Ich habe Ihnen gesagt, dass das Problem "Konsum von Drogen" erkannt sei, sowohl beim Initiativkomitee das aus 27 National- und StänderätInnen aus alen Parteien, Fachleuten und der Brache besteht, jedoch lediglich ein Symptom sei und die Ursache davon behandelt werden soll. Genau dies bestätigt die BAG-Studie und ist KEINE Differenz zu unserer Analyse. Ich habe Ihnen auch gesagt, was ich unter der dem Symptom zu Grunde liegenden Ursache verstehe: Die Kinder und Jugendlichen haben wenig Anlass, die Erwachsenen ernst zu nehmen. Die Erwachsenen reden von der Gefahr der Drogen, trinken aber Alkohol und werfen gegen alles Mögliche an Tabletten ein: Hauptsache, keine Schwäche zeigen. Sie predigen von Gewaltlosigkeit und veurteilen Andersdenkende, Asylsuchende etc. Sie reden von Umweltschutz und fahren zum Kiosk, um eine Zeitung zu kaufen. Die Kinder und Jugendlichen sind sehr sensibel und lernen schnell, wie man sich "richtig" verhält, wie man Probleme übertüncht statt löst und wie u.a. auch Alkohol, Videos, Tabletten und Cannabis "Hilfe vermitteln". Doch ist das nach wie vor nicht die Mehrheit! Sondern schlicht und ergreifend ein kleiner Prozentsatz. Und dieser Teil verdient eine echte Aufmerksamkeit und nicht ein Alarmartikel im Boulevardstil. Und genau dies schreibt auch der BAG-Bericht, den sie öfters im Gespräch mir zitiert haben. Genau deshalb, da sind sich die meisten Fachleute einig, nützt ein Verbot eben nichts. Die wenigen Prozente, welche ich genannt habe, konsumieren HEUTE UND UNTER DEM VERBOT immer mehr Stoffe. Und den Schwarzmarkt freuts. Weil die auch bereit sind, alle Preise zu zahlen und keine Verantwortung zu tragen haben. Und ich habe Ihnen auch den Effekt Heroinabgabe, den ich live vor Ort erlebt habe, geschildert. Sie haben mir bestätigt, dass es Sinn macht über die Krankheit zu sprechen statt die Leute zu penalisieren.

Aber all das hat nicht in ihr Konzept gepasst. Sie beschreiben mich als blauäugigen Branchenvertreter, der "behauptet", "glaubt", "frömmelt". Sie unterlassen völlig die These, dass das heutige Verbot dazu führe, dass der Konsum immer mehr steigt. Sie versprachen mir, dass davon im Artikel auch die Rede sein werde.

So bleibt die Frage nach dem Ziel ihrers Artikel: Auflagensteigerung? Werden sie haben, nachdem mir nun x Journalisten anriefen und mich morgen zitieren werden. Herzliche Gratulation! Deshalb informiere ich auch Herrn Durisch für eine allfälige Lohnerhöhung.

Aber einfach keine FACTS, einfach ein bisschen Halbwahrheiten, Auslassungen, Schauergeschichten aus einem dubiosen Bastelraum in Thun. Wenn die Aussagen der anderen GesprächspartnerInnen auch so lausig interpretiert wurden, wie meine, wissen wir alle, was der Artikel wert ist: nichts!

Und noch was zur CD: Zum wiederholten Mal: es ist nicht das Initiativkomitee, das die CD herstellen wird, sondern MusikerInnen und MusikliebhaberInnen. Der Erlös soll der Initiative zu Gute kommen.

Freundliche Grüsse

Geri Müller, Vizeammann, Nationalrat, CH-5400 Baden

Vice-president Baden, Member of Swiss Parliament

Tel.: +41 56 221 12 06;

Mobile: +41 76 34 777 26

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