Namibia: Dagga beherrscht Parlamentsanhörung

Abgeordnete lassen sich bei Befragung zu geplantem Drogen-Gesetz über Cannabis-Konsum aufklären
www.az.com.na

06. Februar 2007 von Marc Springer

Einige der Rastafarians, die den oft perplexen und amüsierten Mitgliedern des Parlamentsausschusses gestern die Vorzüge von Marihuana erklärten. Der für Sicherheits- und Verteidigungsfragen zuständige Parlamentsausschuss des Nationalrates hat sich gestern zu Beginn seiner dreitägigen Anhörung über das novellierte Anti-Drogengesetz zunächst mit den angeblichen Vorzügen des Dagga-Konsums beschäftigt.

Windhoek - Zu der öffentlichen Anhörung hatten sich etwa acht ,,besorgte Bürger" angemeldet, um dort in ihrer privaten Eigenschaft einen leidenschaftlichen Appell zur Legalisierung von Marihuana vorzutragen. Den Anfang machte Augetto Craig (29), der nach eigenen Angaben ,,seit dem 16. Lebensjahr" Cannabis konsumiere.

Nach seiner Überzeugung ist Haschisch im Gegensatz zu Tabak oder Alkohol unschädlich, die beide als Genussmittel akzeptiert und legal erhältlich seien. Deshalb sei es ,,heuchlerisch", Dagga zu verbieten und solle es jedem selbst überlassen bleiben, ob und in welchen Mengen er Marihuana konsumiere. Ein Verbot gegen den Besitz, Verkauf und Konsum von Marihuana sei ohnehin sinnlos, weil sich dadurch der private Gebrauch nicht einschränken ließe.

Der Rastafarian Jesaja Namundunga gab zu Protokoll, er fühle sich durch die Gesetzvorlage in seiner persönlichen Freiheit bedroht. Grundsätzlich betrachte er Cannabis nicht als Droge, sondern als Produkt einer von Gott gegebene Heilpflanze, die Krankheiten wie Aids und Tuberkulose kurieren könnte. Bei ihm persönlich erhöhe der Genuss von Haschisch die berufliche Schaffenskraft und erleichtere ,,die Kommunikation mit meinem Gott".

,,Ich werde bis zu meinem Tod Ganja rauchen und dafür auch gern ins Gefängnis gehen", betonte Namundunga und ergänzte: ,,Es ist nicht die Substanz die man zu sich nimmt, die einen zum Kriminellen macht, sondern die eigene Veranlagung." Deshalb sei auch der weit verbreitete Glaube falsch, wonach der Dagga-Konsum die Hemmschwelle senke und die Gewaltbereitschaft erhöhe. Dies gelte ausschließlich für ,,Mensch gemachte Drogen wie Kokain", die deshalb unter keinen Umständen zusammen mit dem ,,göttlichen Hanfkraut" eingenommen werden dürften.

In dieser Überzeugung gab ihm Linda Baumann Recht, die in ihrer Stellungnahme eine ,,Differenzierung" zwischen verschiedenen Genuss- bzw. Rauschmitteln und ihrem gesundheitlichen Gefahrenpotenzial forderte. ,,Niemand trinkt auf Empfehlung seines Arztes Alkohol oder raucht Zigaretten - warum sollte also der Genuss von Dagga nur unter medizinischer Aufsicht erlaubt sein?", wollte sie rhetorisch wissen. Ferner erklärte sie unter Hinweis auf Polizeistatistiken, dass vor allem Alkohol und nicht Dagga häufig die Ursache von Verbrechen sei. Außerdem hob sie hervor, dass Cannabis wesentlich preiswerter als Alkohol sei und seine Verwendung demnach kaum eine finanzielle Belastung für Konsumenten darstelle.

Darüber hinaus verwies sie auf die spirituelle Bedeutung von Cannabis und erinnerte die anwesenden Parlamentarier an die Religionsfreiheit in Namibia. Wie bei anderen Genussmittel auch, müsse Dagga in Moderation konsumiert werden, räumte Baumann ein, die nach eigenen Angaben ,,eine Stunde" vor ihrer Aussage Cannabis geraucht habe und den anwesenden Gesetzgebern nahe legte, im Selbstversuch dessen Wirkung zu prüfen.

Der Rastafarian Setson Wahengo erklärte, der Konsum von Dagga sei in Afrika weit verbreitet gewesen, bevor ,,die Amerikaner dieses Mittel außer in Holland weltweit verboten haben". Diese Maßnahme führte er auf dieselbe ,,Unkenntnis" zurück, die ,,zur Verurteilung von Galileo durch Unwissende" geführt habe. Einen ähnlichen Vergleich bemühte auch Shiya Karuseb, der die Verfolgung von Dagga-Rauchern mit der Kreuzigung Jesu in Zusammenhang brachte. ,,Ganja beschützt mich davor, anderen Menschen Böses zu tun und ich schade niemandem damit, wenn ich es in meinen eigenen vier Wänden verwende", erklärte er und fügte hinzu: ,,Wenn ich eine Straftat begehe, werde ich dafür gern meine Strafe akzeptieren, aber ich werde mich niemals dem Verbot gegen Ganja beugen."

Einige der Rastafarians, die den oft perplexen und amüsierten Mitgliedern des Parlamentsausschusses gestern die Vorzüge von Marihuana erklärten.