Mitteilung der europäischen Vereinigung für Industriehanf 23.01.2007
Im aktuellen Vorschlag „für eine gemeinsame Organisation der Agrar-Märkte und spezifische Budgets für gewisse Landwirtschaftsprodukte“ steht, dass Verarbeiter von langen Flachs-Fasern eine erhöhte Subvention an die Produktionskosten von 200 Euro pro Tonne erhalten sollen und dass Verarbeiter von kurzen Fasern überhaupt keine Hilfe mehr erhalten sollen.
Unfaire Konkurrenz zwischen Flachs und Hanf
Zuerst führt dies zu einem unfairen Wettbewerb zwischen der Flachsindustrie, welche vor allem hochwertige, lange Fasern für den Export nach China und als minderwertiges Nebenprodukt kurze Fasern produzieren, und der jungen Hanfindustrie, welche nur technische kurze Fasern produzieren. (Siehe Schema)
Wettbewerb mit exotischen Fasern
Zweitens, und dies ist noch wichtiger, bringt dies wirklich die europäische Hanfindustrie in Gefahr; dies, weil viele der technischen Anwendungen von kurzfaserigem Hanf in direkter Konkurrenz zu exotischen, tropischen Fasern, wie Jute oder Sisal stehen. In den letzten Jahren waren in der EU produzierte Hanffasern auf dem selben Preisniveau wie importierte Jute, Kenaf oder Sisal: 0.50 - 0.60 Euro pro Kilo für nicht verwobene Fasern und Komposite, abhängig von Menge und Qualität.
Ohne unterstützte Verarbeitung. . .
Ohne die Subvention der Verarbeitung mit 0.09 Euro pro Kilo werden EU-Hanffasern teurer sein als importierte Jute-, Kenaf- oder Sisalfasern, und Hanf wird einen bedeutenden Marktanteil verlieren. Zudem werden kurze Flachsfasern billiger werden, weil der Produzent seine kurzen Fasern mit den Profiten aus den langen Fasern, welche nach China verkauft werden und zudem höhere Unterstützung erhalten, quersubventioniert. So wird wiederum der Hanf Märkte verlieren.
Hanf: Wertschöpfungskette komplett in der EU
Währenddem die Europäische Flachsindustrie extrem von den Exporten nach China abhängt, ist die Hanfindustrie ein geschlossener wirtschaftlicher Kreislauf. Hanf wird in der EU gezogen und verarbeitet und auch die Fasern werden in der EU weiterverarbeitet: Hanffasern werden in der EU zu Spezialpapieren, Isolationsmaterialien und naturfaserverstärkte Kunststoffe und Verbundmaterialien verarbeitet. Es werden nur Endprodukte wie Spezialpapiere oder (Türpaneele in) Autos exportiert. Die ganze Wertschöpfung erfolgt in Europa und tatsächlich erfolgen viele Schritte innerhalb der jeweiligen Region. Die WTO und die FAO haben diese Situation wahrgenommen, und ihre Kritik der EU-Hilfen für Naturfasern zielt ausschliesslich auf die Unterstützung der Leinenfasern, welche nach China oder in andere Länder ausserhalb der EU exportiert werden.
Zudem werden neben der Fasern des Hanfs auch die Schäben (aus dem verholzten Strunk des Hanfs) komplett in der EU verarbeitet, und zwar zu Tierstreu, Holzfaserplatten und Baumaterialien, also noch ein geschlossener Wirtschaftskreislauf innerhalb der EU. Hanf kann, als Baumaterial verwendet, der Bauindustrie, im Verhältnis zu konventionellen Materialien zu einer drastischen Reduktion der CO2-Emissionen verhelfen.
Wachsende Nachfrage nach kurzen, technischen Fasern
Unserer Ansicht nach wächst in erster Linie die Nachfrage nach kurzen, technischen Fasern für Anwendungen wie Komposit-Stoffe (als Ersatz von Kunststoffen, synthetischen oder Glas-Fasern) oder Isolation (als Ersatz für mineralische oder Glas-Fasern), dies in der EU und in der ganzen Welt. Hanffasern genügen auf sehr gute Weise den technischen Anforderungen dieser Industrien, und die Preise sind, mit der Verarbeitungssubvention, wettbewerbsfähig mit den Jute-, Kenaf- oder Sisalfasern. Nach den in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu erwartenden Preissteigerungen für exotische Fasern werden die in der EU verarbeiteten Hanffasern immer wettbewerbsfähiger werden. So wird in fünf bis zehn Jahren die Unterstützung der Verarbeitung nicht mehr so gewichtig wie heute ausfallen, dies wegen des wachsenden Marktanteils und der Möglichkeit, die Preise zu steigern.
Hanf und Umwelt
Wir weisen auch auf die guten Eigenschaften des Hanfanbaus aus ökologischer Sicht hin. Hanf benötigt weder Pestizide noch Herbizide, tatsächlich wird keinerlei Agrochemie beim Anbau benötigt. Hanf lässt auch den Boden in ausgezeichneter Verfassung für die nächste Bepflanzung. Bauern berichten über ihre besten Getreideernten nachdem sie Hanf in den Fruchtwechsel einfügten.
Die nächsten Jahre
Um in der Folge überleben zu können benötigt die Hanfindustrie die Erhaltung der bestehenden Unterstützung von 90€/t und eine ausgeglichenere Konkurrenz zum Flachs. Wenn wir dies nicht realisieren können, ist zu befürchten, dass sich die europäische Naturfaser-Industrie in den nächsten Jahren in eine Industrie des Exports von Rohstoffen nach China verwandelt. Die Grobbehandlung erfolgte nur in Frankreich, Belgien und Holland. Wir müssen darauf hinweisen, dass ein enormes Potential für neue technische Anwendungen von kurzen Fasern besteht. Die Hanfindustrie ist noch sehr jung und klein und sucht ihren Platz im Wettbewerb mit den etablierten Geschäften mit Leinen, Jute und Sisal.
Eine einzige Unterstützung kann die Lösung sein
Wir stehen vollständig hinter der Analyse von Ernst & Young zum Stand der Hanf- und der Leinenindustrie in der EU und sind mit ihr einverstanden. („Evaluation de l’organisation commune du marché pour le lin et le chanvre“, Paris, Sept 05) Dieser aktuelle Bericht war von Brüssel bestellt worden. Wir unterstützen auch den von Ernst & Young entwickelten Vorschlag: eine einzige Unterstützung für alle in der EU verarbeiteten Naturfasern, dieselbe Hilfe für die kurzen und langen fasern von Hanf und Flachs. Unserer Ansicht nach sollte dies zu einer ausgeglichenen Konkurrenz zwischen Hanf und Flachs führen und beide Industrien können mit dieser Unterstützung leben, wenn die Höhe dieser Unterstützung nicht zu tief ist. (Die Leinenindustrie verfügte folglich über eine einzige Subvention für ihre kurzen und ihre langen Fasern.)
Wir bitten Sie, das Potential der jungen Hanfindustrie für ein nachhaltiges Wirtschaften und die Entwicklung der Landwirtschaft anzuerkennen, indem Sie Ihren aktuellen Vorschlag abändern, ohne die Höhe des Unterstützungsbeitrags zu erhöhen.
John Hobson, Hemcore Ltd. (Grossbritannien) und Präsident der EIHA
Cesare Tofani, Ex Geschäftsführer von Fibranova (Italien) und erster Sekretär der EIHA
Bernd Franck, Badische Naturfaseraufbereitung GmbH (Deutschland) und zweiter Sekretär der EIHA
Michael Carus, Nova-Institut GmbH (Deutschland) und Geschäftsführer der EIHA
Der Bericht wird von folgenden unterstützt:
Gruppierungen und Vereine
CELESA (Spanien), Mitglied der EIHA
Deutscher Naturfaserverband (DNV) (Deutschland), Mitglied der EIHA
Fibranova (Italien), Mitglied der EIHA
GreenGran B. V. (Holland), Mitglied der EIHA
HempFlax Netherlands B. V. (Holland), Mitglied der EIHA
HempFlax Duitsland GmbH (Deutschland), Mitglied der EIHA
Hempro International e K (Deutschland) Mitglied der EIHA
NAFGO GmbH (Deutschland), Mitglied der EIHA
PerfectPlant (Estland)
Valbiom, University Gembloux (Belgien)
Individuen :
Boris Banas (Slowakei), “Why not hemp ?”/SEZ, Mitglied der EIHA
François Desanlis, Hanfbauer (Frankreich), Mitglied der EIHA
Marcel Toonen, Gärtner (Holland), Mitglied der EIHA

