Mehr Repression gleich mehr Konsumation

Am 25.1.2004 veröffenlichte die Sonntagszeitung Daten über die neueste Gesundheitsbefragung des Schweizerischen Bundesamtes für Statistik, welche in der Folge von verschiedenen Schweizer Zeitungen weiterverbreitet wurden. 20’000 Schweizer gaben 2002 Auskunft über Fragen zu ihrer Gesundheit, welche jetzt nach Kantonen ausgewertet sind.

Hierbei wurden auch Fragen zum Betäubungsmittelkonsum gestellt. Hierbei zeigt sich klar ein Graben zwischen der Deutsch- und der Westschweiz: So gaben im Kanton Genf 12% der Befragten an, schon mal harte Drogen versucht zu haben. Im Kanton Neuenburg sind es 10%; im Kanton Zug hingegen blosse 3% und in Zürich 5%. In Neuenburg konsumieren 20% der Männer regelmässig Hanf. In Bern und Zürich sind es etwa 12,5%.

Stellt man diese Zahlen in ein Verhältnis zum Umgang der Autoritäten mit den Betäubungsmitteln, so zeigt sich klar, dass die Kantone Neuenburg und Genf, welche mit am stärksten an der Politik der Repression gegen Betäubungsmittel festhalten, prozentual am meisten Konsumenten vorweisen. Die verhältnismässig "liberalen" Kantone scheinen weniger Probleme zu haben. Die Verlockung zum Betäubungsmittelkonsum als "Opposition zum System" ist offenbar weniger gross.

Das Bild verschärft sich, wenn Daten zur Zufriedenheit der Befragten hinzugestellt werden. So haben 58% der Neuenburger Frauen in der Vorwoche der Befragung ein Medikament eingenommen. In Genf und im Jura sind 10% der Frauen depressiv und in Behandlung; in Zürich nicht einmal halb so viele.

Offenbar hat die so "sonnige und heitere" Romandie ihre Schattenseiten. Es bräuchte eine offene Diskussion der gesellschaftlichen Probleme. Repression und Tabuisierung sind klar der falsche Weg.

(Zusammenfassung J. Halbeisen)