[MAP-DE] "Nichtkiffer sollen zu Hause bleiben"

die gesellschaftlich/politische Schizophrenie welche im Umgang mit Drogen herrscht, wie beispielsweise Tabak und Cannabis demonstrieren.

In Anbetracht dass die Gefährlichkeit bzw. das Gefahrenpotenzial und die gesamtgesellschaftliche wie auch individuelle Schädigung durch eine spezifische Droge nicht von dem Status der Legalität abhängt, sondern einzig und allein auf das medizinisch/pharmakologisch/chemische Wirkungsmodell mit all seinen Details zurückführen ist, sollte es legitim sein, die Aussagen über zwei vom Gefährdungspotenzial vergleichbare Drogen zu verallgemeinern, so wie z.B. das Rauchen von Tabak und Cannabis, ohne hier auf die spezifischen Gefährdungen und Risiken einzugehen. Diese Textabänderung soll die gesellschaftlich/politische Schizophrenie welche im Umgang mit Drogen herrscht, wie beispielsweise Tabak und Cannabis demonstrieren. Der Text spiegelt demnach nur eine frei interpretierte Verallgemeinerung der im Originaltext aufgeführten Aussagen dar, die nicht den Anspruch erheben der Wahrheit zu entsprechen.

Quelle des Originaltextes: SPIEGEL ONLINE - 20. Juni 2006, 17:34

URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,422432,00.html

Folgender Text daher im Originalem aus dem Spiegel vom 20. Juni 2006, 17:34

frei abgeändert:

Grüner Dunst im Bundestag

"Nichtkiffer sollen zu Hause bleiben"

/ frei geändert und gekürzt von Alice Dietrich /

Minister Seehofer ist dafür, die Kanzlerin auch, und im Herbst nimmt der Bundestag einen neuen Anlauf: Das Kiffverbot in öffentlichen Räumen und Gaststätten soll kommen. Doch ein Besuch im Reichstagsgebäude zeigt, wie groß der Widerstand ist.

Berlin - Morgens halb elf im Bundestag. Drinnen im Plenarsaal läuft die Haushaltsdebatte, draußen auf den Gängen hastet SPD-Fraktionsvize Joachim Poß vorbei, in der Linken sein Lieblings-Accessoire, eine Wasserpfeife. Was halten Sie von einem Kiffverbot im Bundestag, Herr Poß? Der Sozialdemokrat legt schützend seine Hand über den qualmenden Pfeifenkopf. "Kiffen ist Privatangelegenheit", sagt er.

Drei Ebenen weiter oben vor dem SPD-Fraktionssaal steht ein weiterer führender Genosse und zieht an einer Zigarette. Zur Debatte über ein Cannabisverbot möchte er sich nicht äußern. "Ich Drehe unter drei", erklärt er. Im Politiker-Jargon heißt "unter drei": Nicht zur Verwendung freigegeben.

[...]

Eine kurze Umfrage in den Gängen des Bundestages ergibt: Die Frage eines Rauchverbots von Cannabis spaltet das Parlament ebenso wie die Bevölkerung. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast etwa zählt zu den militanten Nichtkiffern. Sie sitzt in einem schweren Ledersofa in der Lobby und telefoniert. Sie hat bereits einmal die Sitzgruppe gewechselt, weil sich neben ihr Kiffer niedergelassen haben. Jetzt zieht wieder eine Wolke vom Nachbarn herüber. "Muss das sein?", fragt Künast deutlich vernehmbar.

Die Art und Weise, wie das Rauchverbot von Cannabis diskutiert werde, mache sie "fassungslos", sagt Künast. "Es kann doch nicht sein, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, dass ich keine krebserregenden Stoffe einatmen möchte." Selbst wenn Kiffen als Teil der Kultur gelte, heiße das nicht, dass sich das nicht ändern ließe. "Wir akzeptieren ja auch nicht mehr das stinkende Auto wie einst."

Bei der Union hingegen stößt das Kiffverbot auf wenig Gegenliebe. "Davon halte ich überhaupt nichts", knurrt CDU-Finanzexperte Friedrich Merz und verschwindet schnell hinter einer Tür. Auch Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist kurz angebunden: "Ich bin immer dafür, dass alle Menschen sich frei entscheiden können."

Die SPD-Abgeordnete Nina Hauer gibt sich tolerant. "Ich freue mich, wenn nicht gekifft wird, aber es stört mich auch nicht, wenn andere es tun", erklärt Hauer, die 1999 nach 15 Jahren das Rauchen aufgegeben hat. Wer sich von Kiffern in der Öffentlichkeit beeinträchtigt fühle, solle einfach "zu Hause bleiben". Sie werde den Gruppenantrag nicht unterschreiben. Allerdings geht sie davon aus, dass sich Deutschland dem europaweiten Trend zu Rauchverboten nicht entziehen kann.

In einigen Teilen des Reichstagsgebäudes herrscht bereits Kiffverbot - so wie es in Restaurants Nichtkifferzonen gibt. Im Plenarsaal und den Konferenzsälen der Fraktionen darf nicht gekifft werden. Nur für Altkanzler Helmut Schmidt hat man bei der SPD neulich eine Ausnahme gemacht. Als er zur Fraktionssitzung kam, um über seine Erfahrungen mit der ersten Großen Koalition von 1966 bis 1969 zu berichten, wartete bereits eine Bong an seinem Platz. Die Genossen kennen die Bedürfnisse des Marihuanaliebhabers.

In den Räumen der CDU gibt es kein allgemeines Rauchverbot von Cannabis. Sitzungen sind rauchfrei, jedes einzelne Büro findet seine eigene Lösung. Die Abgeordneten können sich aber in Kifferecken zurückziehen.

Auf den Gängen des Bundestags überwiegen an diesem Morgen die Kiffverbotsgegner. Der CDU-Abgeordnete Laurenz Meyer sagt, für Gaststätten brauche man eine "einvernehmliche Lösung, die Entscheidungsmöglichkeiten für den Einzelnen offen lässt". Ein gesetzliches Kiffverbot sei nicht nötig. Rücksichtnahme seitens der Kiffer sei nur geboten, wenn es um Kinder gehe. So sei zum Beispiel das abgetrennte Raucherabteil in Zügen der Deutschen Bahn eine "adäquate Lösung für das Problem", so der Dauerkiffer Meyer.

Auch Klaus Uwe Benneter, Ex-Generalsekretär der SPD, ist gegen ein Verbot. Wo viel Publikumsverkehr sei, werde heute schon nicht gekifft. Warum also ein Gesetz schaffen, wenn sich das Problem durch gegenseitige Rücksichtnahme lösen lasse? Wenn ein Kiffverbot tatsächlich so gut für den Umsatz von Gaststätten sei, würde ja der Wettbewerb von allein für die ersten Cannabisfreien Kneipen sorgen, meint der Sozialdemokrat.

Er selbst sei "Suchtkiffer", aber seit 15 Jahren trocken, verrät Benneter. Seine Frau geht zum Kiffen auf den Balkon, damit er keinen Rückfall erleidet. Aber er kiffe immer noch gern passiv, sagt Benneter. Der Joint gehöre wie das Koks zur "Popkultur".

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