Kokabauer Evo Morales wird Präsident von Bolivien
Der Führer der "cocaleros", der bolivianischen Kokabauern, ist als klarer Sieger aus den Präsidentenwahlen in Bolivien hervorgegangen. Er siegte mit 51% der Stimmen. Mit Evo Morales wird erstmals ein Angehöriger der "Indigenas", der seit Jahrhunderten von der weissen Oberschicht unterdrückten Indianer an die Spitze des verarmten Andenstaats gelangen.
Morales fordert unter Anderem den freien Anbau der einheimischen Cocapflanze, die von den Andenbewohnern seit alters her als Heil- und Genusspflanze verwendet wird und durch die Machenschaften des hauptsächlich von den USA inszenierten "Krieges gegen die Drogen" als "Kokain" in Verruf geraten ist. Bolivien ist weltweit der drittgrösste Produzent von Koka. Die getrocknete Blätter werden von der Bevölkerung als anregendes, Hunger und Durst linderndes Mittel gekaut und dienen als Rohstoff für die Herstellung von Kokain. Die traditionelle, natürliche Cocapflanze hat aber mit Kokain ebenso wenig zu tun, wie natürlicher Hanf mit hochgezüchteten THC-reichen Hanfsorten oder den "Cannabispräparaten" der auf Profit ausgerichteten Pharmaindustrie.
USA gratulieren Evo Morales zu Präsidentenwahl in Bolivien
Die USA haben die Wahlen in Bolivien begrüsst und Evo Morales zum Sieg gratuliert. Die friedlich Wahlen seien ein Zeichen der demokratischen Gesinnung des bolivianischen Volkes.
Aussenministerin Condoleezza Rice sagte, die Beziehungen zwischen beiden Ländern hingen vom "Verhalten" der neuen Regierung unter Morales ab. Wenn die neue Regierung "demokratisch" regiere und "für Zusammenarbeit offen" sei, würden die USA Bolivien "helfen" (wir stellen uns lieber nicht vor, wie die "Hilfe" aussieht, wenn das Verhalten der neuen bolivianischen Regierung den USA missfällt....)
Morales hat nämlich keine besonderen Sympathien für die USA. Der Aymara-Indianer tritt für die Verstaatlichung der Erdöl- und Gasvorkommen ein.
Morales kündigte bereits an, dass seine Regierung eng mit anderen "Anti-Imperialisten" zusammenarbeiten werde und bekräftigte seine Bewunderung für den kubanischen Staats- und Parteichef Fidel Castro und Venezuelas linksnationalistischen Präsidenten Hugo Chávez. Beide sind in Washington nicht gut angesehen.
Evo Morales, politischer Aktivist, Kokabauer und Verehrer von "Pachmama", der Mutter Erde
Morales war nach der letzten Wahl (2002) Abgeordneter der Vereinigten Linken (MAS) gewesen. Im letzten Wahlkampf war er besonders populär durch seine Weigerung an einer Debatte der Präsidentschaftskandidaten teilzunehmen mit der Begründung, er setze sich lieber mit der wirklichen Regierung auseinander - der amerikanischen Botschaft. Die MAS, die bisher mit 35 Abgeordneten im Parlament vertreten war machte den Eindruck, sich konsequent für die Interessen jener einzusetzen, die sie gewählt haben. Selbst Felipe Quispe, der einflussreiche Sprecher der Aymara des Hochlandes, stellte sich auf die Seite von Evo Morales, obwohl zwischen den beiden Indigenista-Führern nicht immer Einigkeit und Sympathie herrscht.
Schaut man sich die politischen Forderungen der MAS an, so wirken sie eher traditionell links: ein demokratischer Volksstaat, nationale Souveränität, Kampf gegen Hunger und Repression. Und ein Blick auf seine engsten Berater zeigt dies - allesamt kommen von den grossen traditionellen Parteien der politischen Linken Boliviens, der KP, der Revolutionären Arbeiterpartei, der Sozialistischen Partei. Was der wesentliche Grund dafür ist, dass Morales die tradierte politische Landschaft Boliviens unglaublich durcheinandergewirbelt hat, ist weniger eine neue Politik, als das Erscheinen neue politischer Akteure, die die MAS unterstützen. Denn: Die MAS ist keine politische Partei, hat keine besonders feste Strukturen - schon gar nicht die traditionellen linken, sondern ist eine Bewegung im Wortsinne. Eine Bewegung, die vor allem - zumindest kollektiv - zwei bisher wenig präsente Teile der Bevölkerung zur politischen Aktion brachte: Die Landbevölkerung inklusive der Kleinbauern und die städtische Mittelschicht. War das Zentrum der Mobilisierung der letzteren vor allem der Kampf gegen den Ausverkauf des Landes und die Korruption, so war es auf dem Land der Kampf für Agrarreform, für die sichere Nutzung von Land, das traditionelles Gemeineigentum ist - und gegen den Krieg der Regierung (und der USA) gegen die Kokabauern.
Pachamama - die "Mutter Erde" der Indianer Südamerikas
Evo Morales ist einer der wenigen, wenn nicht der einzige Politiker, der in der heutigen Zeit die Kraft und den Mut hat, sich auf die Hilfe und die Prinzipien einer Muttergöttin zu berufen. Wir sehen: Pachamama hat ihm geholfen, denn jetzt ist er auf dem Weg, Präsident von Bolivien zu werden.
In einem früheren Interview sagte Evo Morales, dass die Cocapflanze nicht verboten werden könne, da sie Teil und Manifestation Pachamamas ist. In der Tat: wie kann der Mensch sich anmassen, eine Pflanze zu verbieten oder mit Gesetzen zu belegen, die nicht er, sondern Erde und Natur geschaffen haben? Um solches zustande zu bringen, brauchte es die von Geldgier, Alkohol und Neurosen geprägte Mentalität des "weissen Mannes".
Die Inka (ca. 1300-1650) verehrten neben dem Sonnengott "Inti" die im Innern der Erde wohnende Erdmutter Pachamama als Kraft allen Lebens und göttliches Wesen der Fruchtbarkeit. Aus der Quechua-Sprache übersetzt bedeutet pacha "Erde" oder "Welt". Auch heute noch wird Pachamama in den Andenregionen synonym für den Begriff "Erde" verwendet und als Figur aus dem indianischen Schöpfungsmythos verehrt. Die Indianer sehen in Pachamama die alles durchziehende Energiequelle des Lebens, "... sie ist überall vorhanden, in allem, was um uns herum ist" .
Die karge gebirgige Region macht den Andenbewohnern ihre unmittelbare Abhängigkeit von Pachamama täglich bewusst, vielleicht wurde die religiöse Tradition dadurch am Leben erhalten. Zwischen den dort lebenden Menschen und "Mutter Erde" besteht eine enge Wechselbeziehung. Es wird nach dem Glauben gehandelt, dass die Götter Gutes geben, wenn die Menschen ihnen auch etwas spenden. Die Verbundenheit zu Pachamama wird sowohl durch Achtung und Ehrbietung als auch durch Opfergaben ausgedrückt. Beim Umgraben der Erde wird zum Beispiel für eine fruchtbare Ernte und ausreichende Nahrung gebetet. Mit traditionellen Ritualen wird die aus dem Schoß der Mutter Erde entnommene Nahrung geehrt.
Aus der Tagespresse und verschiedenen Quellen
Redaktion: Heidi Cervantes