Kiffen nur noch pur

Von Juli an gilt auch in den Niederlanden das Rauchverbot — die Coffeeshops trifft das besonders

Freitag, 18. April 2008

AMSTERDAM. Noch zwei Monate können Cannabis-Liebhaber in niederländischen Coffee shops ihre Joints rauchen. Dann ist Schluss: Vom 1. Juli an ist auch in den Niederlanden das Rauchen in Gaststätten verboten. Eine Ausnahme bilden die 750 Coffeeshops im Land nicht.

Das Gesetz verbietet das Rauchen von Tabak und damit auch von tabakhaltigen Joints. Haschisch und Marihuana darf in Coffeeshops aber weiterhin pur, also ohne Tabak, geraucht werden. Denn dabei entsteht weniger Rauch, der — und das ist das Entscheidende — nicht so gesundheitsgefährdend sein soll wie der von Tabak. Doch pur raucht nach Schätzungen von Coffeeshopmitarbeitern nur jeder fünfte Gast seinen Joint, den meisten sei das zu stark.

Die nationale Coffeeshopvereinigung der Niederlande bemühte sich vergeblich um eine Ausnahmereglung. Der niederländische Gesundheitsminister, Ab Klink von der christdemokratischen Partei CDA, antwortete schriftlich: "Arbeitnehmer in Coffeeshops haben ebenso wie Arbeitnehmer anderer Dienstleistungsbereiche ein Recht darauf, vor den Folgen des Tabakrauchs geschützt zu werden."

Droht den Coffeeshops nun das Aus? Gerade bei Jüngeren leisten sie einen erheblichen Beitrag zur touristischen Beliebtheit der Niederlande. "Keineswegs!" , sagt Martijn van Bennekom. Sein Coffeeshop in Amsterdam ist seit Februar rauchfrei, als erster im ganzen Land. Inzwischen sind 225 seinem Beispiel gefolgt. "Ich rauche seit neun Monaten keine Joints mehr und finde es herrlich, nicht mehr den ganzen Tag im Qualm stehen zu müssen" , so Van Bennekom. Und von Umsatzeinbußen keine Spur.

Allerdings sind der Großteil seiner Kunden Einheimische. Sie kaufen bei ihm Haschisch und Marihuana, rauchen es aber lieber zu Hause. Ganz anders im "Mellow Yellow" , das 1972 als erster Coffeeshop der Niederlande eröffnet wurde. Bis zu 2000 Kunden kommen täglich in den Amsterdamer Laden, sagt Betriebsleiter Mike van Duyn. Die meisten sind Touristen. Doch auch Van Duyn sieht dem Rauchverbot gelassen entgegen. "Die Touristen werden auch weiterhin zu uns kommen. Spätestens nach zwei Monaten hat sich jeder dran gewöhnt."

Was für kleinere Coffeeshops schwieriger wird, ist hier die Lösung des Problems: ein abgetrennter Raucherraum. Im vorderen Bereich des Coffeeshops, rund um den Verkaufstresen, dürfen dann nur noch Joints ohne Tabak geraucht werden.

Einen anderen Ausweg sehen Coffeeshop-Mitarbeiter im "Vaporizer" . Dieses Gerät erhitzt Haschisch und leitet den Dampf in einen Ballon, so dass der Konsument ihn inhalieren kann. Das gilt als die bekömmlichste Variante des Haschisch- und Marihuana-Konsums und ist nicht teurer als ein Joint. "Der Vaporizer ist stark im Kommen" , sagt "Greenhouse"- Mitarbeiter Giermo. Gegen das Rauchverbot hat er nichts einzuwenden.

Und was sagen die Touristen dazu? Drei junge Schweizer, die an jedem Tag ihres Amsterdam-Aufenthalts in Coffeeshops gehen, ärgern sich über das Verbot. Aber sie wollen auch nach dem 1. Juli wiederkommen. "Wir werden uns dann wohl nicht mehr so lange in Coffeeshops aufhalten. Aber Amsterdam hat ja auch noch mehr zu bieten. Für uns ist es das Venedig des Nordens."

Britta Kuck