Hirnforschung: Essen wir uns dumm?

Bisher galt das Gehirn als weitgehend eigenständig. Neue Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen aber, dass es wie kaum ein anderes Organ auf Nahrung angewiesen ist. Doch deren Qualität lässt zu wünschen übrig.
Konrad Beyreuther sorgt sich um seine grauen Zellen. Schon beim Frühstück nimmt er einen Orangensaft, wegen der Vitamine. Dann Tee, ein Schwarzbrot mit Tomate, und Yoghurt, der enthält viel Eiweiss. Und schliesslich einen Apfel als Energielieferanten, denn Das Hirn braucht viel Power: stolze 25 Watt, so viel wie eine kleine Glühbirne.
Konrad Beyreuther ist Professor an der Universität Heidelberg und Staatsrat für Lebens- und Gesundheitsschutz in der baden-württembergischen Landesregierung. Und er ist auch ein renommierter Alzheimer-Experte, der weiss: "Die Ernährung ist wahrscheinlich die ganz entscheidende Komponente bei Alzheimer". Weltweit nehmen Hirnstörungen zu, neben Alzheimer auch Parkinson und multiple Sklerose. Auch die Seele leidet immer häufiger. Und bei den Kindern breiten sich Hyperaktivität und Lernstörungen aus. Manche Forscher fürchten gar, dass die Geistesleistung generell zurückgeht, die Hirne schrumpfen, die Evolution des Gehirn sich wieder umkehrt. Und an all diesem soll die Ernährung ganz wesentlich beteiligt sein.

Das Gehirn will gute Nahrung
Mampfen wir uns ins Unglück? Bisher galt das Gehirn als weitgehend eigenständig. Neue Erkenntnisse der Hirnforscher zeigen aber, dass das Gehirn wie kaum eine anderes Organ gut genährt sein will, um ordentlich zu funktionieren. Die Qualität der Nahrung aber lässt nach, und damit steigt das Risiko für Geist und Gedächtnis, aber auch für die Psyche. So glaubt etwa der amerikanische Forscher Andrew Stoll, dass die gewaltigen Veränderungen in unserer Ernährung zu den steigenden Raten psychiatrischer Erkrankungen in der westlichen Welt beigetragen und die Zunahme der Depressionen gefördert haben. Britische Forscher beklagen einen weltweiten Rückgang der Geistesleitung: In Indien seien schon 56% der Schüler nur eingeschränkt lernfähig, in Polen und Tschechien habe sich die Zahl der Sonderschüler verdoppelt. In einigen Regionen Brasiliens seien sogar die Gehirne schon messbar geschrumpft. Selbst in England sinkt die "genetische Komponente der Intelligenz" um etwa einen halben Prozentpunkt pro Generation. Die Folge ist, dass die Kapazität des Gehirns nicht mehr zunimmt, sondern tatsächlich abnimmt. Schuld daran ist die Nahrungsindustrie und ihr Bestreben, billige Nahrung herzustellen. Die "grüne Revolution" in der Landwirtschaft habe zwar dank Kunstdünger und chemischen Giften die Erträge explodieren, gleichzeitig aber hirnwichtige Bestandteile wie Eisen und bestimmte Fette verschwinden lassen. Zumeist verspeisen wir ungesundes Fett, etwa in Hamburgern. Ganze Generationen von Kindern leben überwiegend von Junk-Food. Und das ist definitiv Gift für das Gehirn. Es fehlt nämlich an den feinen Fetten, die die Gedanken besser flutschen lassen, den so genannten Omega-3-Fetten. Schon leiden 80% der Amerikaner Mangel an diesen Fetten. Der Rückgang geht Hand in Hand mit einer Zunahme von Funktionsstörungen unseres Gehirns. Die wilden Verwandten der Kühe, die Büffel in Busch und Savanne, hatten noch üppige 30% an Omega-3-Fetten in Milch und Fleisch. Die Agroindustrie hat zum Rückgang der Omega-3-Fette bei den Tierkörpern beigetragen.

Rama, Fanta, Haribo
Moderne, kraftfuttergemästete Hochleistungsrinder bringen es gerade noch auf zwei Prozent Omega-3-Fette. Die Nahrungsmittelindustrie ist darüber nicht einmal so unglücklich. Denn. "Alle Produkte mit diesen sehr langkettigen Fettsäuren verkürzen die Haltbarkeit", monierte das Fachmagazin Agro-Food-Industry High-Tech. Haltbarkeit aber ist, neben dem Preis, das wichtigste Kriterium in der Welt der Supermärkte. Mindestens ein Jahr muss zum Beispiel eine Terrine halten. Die dafür eingesetzten Zusatzstoffe wirken gleichfalls aufs Gehirn. Etwa der so genannte Geschmacksverstärker Glutamat (s. unten). Aber auch die harmlos anmutende Zitronensäure, die in zahlreichen Lebensmitteln von Rama bis Fanta bis hin zu Haribo-Gummibärchen enthalten ist. Sie kann, als "trojanisches Pferd" den Transport von Aluminium ins Gehirn befördern - und so das Alzheimer-Risiko erhöhen.

Farbe geht auf den Geist
Farbstoffe verändern Verhalten und Lernleistung - und werden vor allem von Kindern in hohen Mengen verspeist. Früher, bei der Zulassung der Chemikalien, gingen die Forscher von einer durchschnittlichen Tagesdosis von 25 Milligramm aus. Heute schlucken Kleinkinder in ihren Smarties, Soft-Drinks und Bonbons laut einer EU-Studie bis zu 560 Milligramm. Diese Farbstoffe hätten eine signifikante Auswirkung auf den sich entwickelnden Organismus, sagt Bennet A. Shaywitz von der amerikanischen Yale-Universität, dessen Versuchs-Nagetiere unter Farbstoffeinfluss deutlich langsamer dachten und mehr als doppelt so lang brauchten, um aus einem Labyrinth heraus zu finden. Die Farbe geht auf den Geist. Das hübsche Pink, das beim Chemiemulti BASF unter dem Markennamen Basovit erhältlich ist (E 127), bremste in einer Studie die Aufnahme aller getesteten Neurotransmitter (Substanzen, die im Nervensystem die Erregung weiterleiten). Das gelbe Tartrazin (E102) hatte, nach einer britischen Studie an 486 Kindern mit dem so genannten Zappelphilipp-Syndrom, erhöhte Hyperaktivität und Aggressivität zur Folge.
Bei der Zulassung von Zusatzstoffen zählten die Folgen fürs Gehirn, die so genannte Neurotoxizität, bisher nicht zum Testpflichtprogramm. Ein schweres Versäumnis, meinen jetzt Forscher. Wir müssen untersuchen, ob Lebensmittel oder Zusätze das Hirn schädigen können.

Vitamine als Rostschutz
Bis auf weiteres muss jeder Mann und jede Frau selbst auf hirnschonende Kost achten. Am besten schon beim Frühstück. Ohne künstliche Farb- und Geschmackstoffe. Mit vielen Vitaminen, die braucht das Gehirn gewissermassen als Rostschutz, um die so genannte Oxidation zu verhindern. Mit Milch und Fleisch von artgerecht genährten Rindern - die haben mehr Omega-3-Anteile. Zubereitet nach herkömmlichen hausfraulichen Methoden - die sind schadstoffarm und setzen psychoaktive Stoffe frei: mit langem Köcheln, Fonds und hausgemachten Brühen statt glutamathaltigen Würfeln. Und vielen feinen Fetten, die in Fischen wie Lachs und Makrelen, aber auch in wertvollen Ölen wie etwa Lein- und Hanföl* enthalten sind. Auch wenn bisher die Ernährungsideologen die Fettangst geschürt haben: Das Hirn braucht den Schmierstoff. "Fett ist nämlich die Streicheleinheit für die Seele".

Glutamat - Risikofaktor bei Alzheimer und multipler Sklerose
Der Lebensmittelzusatz Glutamat kann Hirnzellen zerstören. Doch die Behörden halten den Stoff für harmlos - gestützt auf eine Studie im Auftrag der Industrie. Der Geschmacksverstärker Glutamat ist der wichtigste Zusatz der Nahrungsindustrie. Er ist zum Beispiel in Würsten und Kartoffelchips enthalten. Es ist aber auch der Zusatz mit den wohl weit reichendsten Auswirkungen auf die Gesundheit. Glutamat kann Kopfweh auslösen, so genannte Cluster-Kopfschmerzen. Es kann zu Übelkeit und Erbrechen führen, zu Hitzewallungen und Herzklopfen. Sogar Hirnzellen kann es zerstören, und es gilt bei Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und multipler Sklerose als Risikofaktor. "Zuviel Glutamat bringt uns um den Verstand", sagt der Alzheimer-Forscher Professor Konrad Beyreuther. Herstellerfirmen wie Nestlé oder Knorr finden den Stoff vollkommen unproblematisch und verweisen auf offizielle Stellungnahmen. Tatsächlich hat etwa das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BIR) "keine Bedenken" gegen die gelegentliche Verwendung geringer Mengen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) meint sogar, selbst bei häufigem Verzehr grösserer Mengen sei kein schädigender Einfluss zu erwarten. Beide Institutionen stützen sich auf die Ergebnisse einer Konferenz von 1996, an der namhafte Forscher teilnahmen, darunter Professor Helmut Erbersdobler, Präsident der DGE. Sie befanden, Glutamat sei unbedenklich, stünde in keinem Widerspruch zu einer gesunden Ernährung.

Was bisher nicht bekannt war: die Glutamat-Konsensrunde, deren Meinung bis heute gilt, trifft sich auf Einladung interessierter Industriekreise und wird z.T. von diesen bezahlt.

*Kalt gepresstes Hanfspeiseöl gehört mit zu den wertvollsten Fett-Lieferanten überhaupt. Dieses Öl enthält 4-10% gesättigte Fettsäuren und 70-85% mehrfach ungesättigte Fettsäuren.
Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind die „omega 6"-Säuren wie Linolsäure, g-Linolensäure, ebenso „omega 3", sowie Linolensäure und Stearinsäure. Letztere ist für den menschlichen Stoffwechsel bereits in einer Konzentration von 1% von besonderem Wert. Der Tagesbedarf an diesen Fettsäuren beträgt für den Menschen ca. 1g.
Hanföl enthält 1.4 bis 2.6% Phosphor, der zu mehr aus 80% aus Phytinum (organischer Phosphor) besteht. Auch Vitamin E und K, Sterole und Karotene wurden gefunden. Hanfsamen bestehen zu 20-25% aus Proteinen, darunter alle essentiellen Aminosäuren

Quellen:
 Hans-Ulrich Grimm, Berner Zeitung v. 10.12.03
 Sergej Grigoryev, N. Vavilov Institute of Plant Industy, St. Petersburg, Russland: Hanf- eine alte russische Kulturpflanze mit grossem Zukunftspotential

Hanföl : Ein "Highlight" für die Küche ?