Haschisch im Speichel stundenlang nachweisbar

Bei der geltenden Null- toleranz bei Drogen haben Kiffer beim Speicheltest nur wenig Chancen davonzukommen.

10.1.2005 Der Albtraum: Als braver Mann gerate ich in einem späten Zug von Zürich nach Schaffhausen in ein Abteil, in dem gekifft wird. Tolerant wie ich bin, bleibe ich gelassen sitzen, steige dann in Schaffhausen aus, steige in mein Auto (Park and Ride), fahre nach Hause und komme dabei in eine Kontrolle der Schaffhauser Polizei. Beim Speicheltest zeigt das Kontrollgerät an: Cannabiskonsum. Dabei war ich doch nur Passivraucher. In meiner Horrorvision muss ich als völlig Unschuldiger um meinen Fahrausweis bangen.

Passivkiffen nicht ablesbar
Der Mediziner Peter X. Iten, Leiter der Abteilung Forensische Chemie/Toxikologie am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich-Irchel, verweist solche Vorstellungen ins Reich der Phantasie. Durch den Speicheltest, Iten spricht genauer von Speichelvortest, kann Passivkiffen nicht angezeigt werden. Auch Beat Lüthy, Geschäftsführer der Labtec Services AG in Wohlen, der die Drugwipe-5-Speichelvortestgeräte an die Polizei liefert, behauptet nicht, dass die Geräte Passivkiffer anzeigen können. Er hält fest, dass Drugwipe keine «Wunderwaffe» ist. Schon gar nicht beim Nachweis von THC (Tetrahydrocannabinol), dem Wirkstoff von Haschisch - THC ist etwas vom Schwierigsten zum Detektieren. Deshalb haben die Speicheltestgeräte bei THC eine hohe Nachweisgrenze. Bei anderen Drogen sind die Speichelvortestgeräte sehr genau.

"Nur einmal am Joint gezogen"
Peter X. Iten hält Fragen wie "Wenn ich nur einmal am Joint ziehe, zeigt das Testgerät dann schon an?" oder: "Kann ich einen halben Joint rauchen? Kann ich einen ganzen rauchen?" für Fragen, auf die es im Zusammenhang mit den Vortests keine verbindliche Antwort gibt.
Der Wissenschafter hält den Speichelvortest bezüglich des Cannabis für nicht befriedigend. Die Teststreifen geben oft nicht an, obwohl sie sollten. Andererseits geben sie, allerdings selten, positiv an, wenn kein Cannabis geraucht wurde, hat er beobachtet.

Wirkung von bis zu vier Stunden
Ob die Speichelvortests präzise sind oder nicht, ist nicht massgeblich. Wenn der Streifen angibt, besteht Verdacht, dass THC im Blut ist. Wichtig ist für einen betroffenen Verkehrsteilnehmer der anschliessende Urintest oder der Bluttest. Urin und Blut werden von einem Arzt abgenommen. Der Urin und das Blut werden im Labor der Gerichtsmedizin in St. Gallen oder Zürich untersucht. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist dann sehr präzise, auch wenn sie einige Tage nach dem Cannabiskonsum vorgenommen wird.
Was die Wirkung des THC anbelangt, so sagt Peter X. Iten, dass die Wirkung eines "normalen" Joints in der ersten halben Stunde am grössten ist, "einige wenige Stunden" anhält, sich dabei aber abschwächt.

Schwere Widerhandlung
Beat Lüthy beschreibt die Abbaukurve von THC im Blut wie im Speichel so, dass erst nach zwölf Stunden THC weder im Blut noch im Speichel, sehr wohl aber im Urin nachweisbar ist. Lüthy erwähnt, dass hier die Wissenschafter uneins sind. Die einen sagen, dass schon nach vier Stunden nichts mehr nachzuweisen sei, die andern halten 20 Stunden für die richtigere Zeit.
Kann sich der Kiffer auf die zwölf Stunden verlassen? - Er tut wohl gut daran, sich nicht darauf zu verlassen. Denn, so sagt André Gnehm, Stellvertreter des Chefs der Verkehrspolizei Schaffhausen, wenn der Teststreifen THC anzeigt, bei einem positiven Resultat also, wird eine Blut- und Urinprobe angeordnet. Es gilt im Strassenverkehr, wie bekannt, die Nulltoleranz bei Drogen. Fahren unter Drogeneinfluss bedeutet immer eine schwere Widerhandlung, die, wenn der Blut- und Urintest positiv ist, einen Führerausweisentzug von mindestens drei Monaten zur Folge hat.

Wolfgang Schreiber
Schaffhauser Nachrichten