Hanf als Droge ist verboten. Hanfmagazine aber gibt es an jedem Kiosk

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04.10.2006 Greta Taubert

"Grow" heißt passenderweise auch das älteste und bekannteste Magazin in der Szene. Ein Joint rauchender Homer Simpson kündigt bereits auf dem Cover den Artikel an, für den sich ein Autor 270 Folgen der amerikanischen Cartoon-Serie "Die Simpsons" unter Drogenaspekten angeschaut hat. Fazit: Bei der gelben Familie aus Springfield wird viel konsumiert. Im weiteren werden neue Produkte vorgestellt und erklärt, wie Cannabis im Traum wirkt, ein Leser berichtet über seine Drogenerfahrung mit dem Peyote-Kaktus in der mexikanischen Wüste. Was in der Realität verboten ist, ist in der Schriftform erlaubt.

Und beim legalen Drogenrausch in Papierform machen noch mehr mit. Neben der Gratiszeitung "Hanfjournal" bieten noch zwei weitere Magazine Hanf im Hochglanzformat. Im "thcene" wird die Droge in eine bestimmte Szene eingeordnet. Das Design und der Anspruch lehnen sich an die Ästhetik der Hip-hop-Kultur an. Die Schriftarten wechseln häufig, zur graffiti-ähnliche Malereien bebildern die Artikel, es werden Streetware-Klamotten vorgestellt, aber auch gegen zu viel Fernsehen und Essstörungen angeschrieben.

Ganz anders das eher wissenschaftlich nüchterne "hanfblatt". Im schlichten Design erlaubt es sich wenig freie Gestaltung und stellt in sachlichem Ton beispielsweise den mysteriösen Gründer der Hanfapotheke vor, besucht ein Pharmaunternehmen, das THC, also Tetrahydrocannabinol, einen Wirkstoff von Cannabis, verarbeitet, es berichtet über schadstoffbelastetes Dope in holländischen Coffeeshops oder zeigt eine neue Hanfkreuzung mit verbesserter Wirkung.

Unter falschem Namen

Nicht immer schreiben die Redakteure unter ihrem richtigen Namen. Es könnte ja ein Gesetzeshüter mitlesen. Wenn beispielsweise in "Grow" erklärt wird, wie man möglichst erfolgreich Marihuana während des Urlaubs über Ländergrenzen schmuggeln kann, wird es heikel. "Intime Regionen des Körpers werden im Normalfall nirgendwo und niemals von einfachen Polizisten bei der Ausübung ihres täglichen Auftrags gecheckt." Wie das Bundeskriminalamt solche Hinweise verarbeitet, will eine Sprecherin nicht kommentieren. Bekannt seien die Hefte dort aber.

Und auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hat sich zwei Mal mit "Grow" beschäftigt. Ein Jugendamt hatte ein Indizierungsverfahren eingeleitet. Beide Male wurde es abgewiesen. "Der Tatbestand einer Drogenverherrlichung war nicht gegeben", sagt die stellvertretende Vorsitzende, Petra Meier. Schließlich kämen auch die negativen Seiten des Kiffens in den Ausgaben vor. Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband begründet die Legalität der Magazine gleich mit dem Grundgesetz: "Wir können jetzt nicht noch die freie Meinungsäußerung beschränken über etwas, dass sowieso passiert."

Schlimmer als die Bedrohung durch den Staat ist für die Kiffermagazine jedoch der Leserschwund und sinkende Werbeeinnahmen. 20 000 "Grow"-Magazine werden laut eigenen Angaben alle zwei Monate verkauft, vor einigen Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Wenn die Gesetze für Hanfanbau oder Samenverkauf verschärft werden - wie vor kurzem in Österreich - bricht für viele Läden, die Kiff-Utensilien anbieten, die Existenzgrundlage zusammen. Auch in Holland gehe die Zahl der Coffeeshops zurück. Genau diese Unternehmen sind aber die wichtigsten Anzeigenkunden von Hanfmagazinen. Markenhersteller bekomme man so gut wie gar nicht ins Blatt, sagt Grow-Gründer Knodt. Vor allem die Tabakindustrie wolle mit Drogenmagazinen nichts zu tun haben, um ihr Image nicht zu beschädigen. Allerdings habe mal Sony/BMG für Musik geworben, die in der Hanfszene Anklang findet.

"Die Jungen wollen nur kiffen"

Auch die Leserzahlen von "Grow" sinken. Ihr Ziel, das Bewusstsein für Drogen zu schärfen,vor gesundheitlichen und gesetzlichen Gefahren zu warnen und Hanf zumindest für medizinische Anwendungen zu legalisieren, interessiert den Nachwuchs nicht mehr. "Die ganz jungen Leser wollen nur noch kiffen", sagt Fleckner von "Grow".

Auch bei den Kollegen von der Gratiszeitung "hanfjournal" seien die Leserbriefschreiber für Szeneverhältnisse in die Jahre gekommen. Redaktionsleiter Michael Knodt ist selbst über 40 Jahre alt. Er will auch für seine Kinder eine andere Drogenpolitik erkämpfen. In dem Berliner Büro des "hanfjournal" hängt eine kleine Lichterkette aus Hanfblättern, an der Tür zum Chefzimmer klebt ein Aufkleber mit einem durchgestrichenen Joint. Während der Arbeit wird nicht gekifft. Nicht immer. Denn nicht die eigenen Erfahrungen seien die Recherche, sondern "der Staat gibt uns die Themen vor", sagt Knodt.

Vor allem der Führerscheinentzug entwickelt sich immer mehr zum Topthema. "Don’t drink and drive when you can smoke and fly!", lautete die Schlagzeile bereits in der zweiten Ausgabe. Daneben ein Bild von der Vorsitzenden der Grünen, Claudia Roth, die gerade einen Joint mit roter Schleife überreicht bekommt. Mittlerweile ist die 60. Ausgabe erschienen. Im August feierte das "hanfjournal" fünfjährigen Geburtstag