Geheimnisvolle 7000 Jahre alte Hochkultur in Dresden nutzte bereits den Hanf
Von Wendelin Gabrysch Zeigt Fundstücke: Archäologe Harald Stäuble Foto: Charles Yunck
Dresden - Es lebte wie im Paradies, ohne Geld, ohne Krieg, ohne Waffen. Das noch namenlose Volk, das vor 7000 Jahren in Sachsen rätselhafte Tempel baute. Mußte es aussterben, weil es ganz einfach zu lieb war? Forscher entdeckten die Spuren der ersten europäischen Hochkultur. Archäologe Dr. Harald Stäuble erzählt jetzt, wie dieses unbekannte Volk lebte.
"Es war ganz friedlich. Es gibt keinerlei Hinweise auf Waffen oder Kriege", so Stäuble. Die Steinzeitmenschen lebten in gemeinschaftlich genutzten Häusern in größeren Dörfern nebeneinander.
"Es gab schon Zäune, was für eine erste Bildung von Eigentum spricht. Aber alle Grundstücke und Häuser waren gleich groß, jeder hatte gleich viel Raum."
Die Gebäude waren aus Baumstämmen, Weiden, Hanf, Lehm - und bunt angemalt: rot, gelb, blau. "Es gab keine Könige, keine Fürsten, noch keinerlei hierarchische Strukturen." Sie kannten schon Erbsen, Bohnen, Gerste und Mais Eine Tonschüssel des geheimnisvollen Volkes
Die Ur-Sachsen waren gerade vom Nomaden zum seßhaften Bauern geworden. Sie mußten neue Werkzeuge erfinden. Beile, Bohrer, Feilen - alle aus Stein, Holz und Tierknochen. Das Rad war noch nicht erfunden, der Pflug auch nicht. Die Äcker wurden mit Hirschgeweihen bearbeitet.
"Dieses Volk brachte den Weizen und die Ziege nach Europa", sagt Stäuble. "Sie zähmten Rinder, Schweine und Schafe; sie züchteten schon Gerste, Erbsen, Bohnen und Mohn." Die geheimnisvollen Menschen webten bereits Kleider aus Leinen und töpferten, formten aus Lehm Gefäße oder Figuren, die sie im Feuer brannten.
Und die erste europäische Zivilisation war tief religiös. Stäuble: "Sie betete mehrere Götter an, verehrte jedoch besonders Mutter Erde als die zentrale Gottheit, als die Urmutter allen Seins." Und sie glaubte an ein Leben nach dem Tod: Verstorbenen wurden in die Gräber alles Nötige für die Wiedergeburt beigelegt - Speisen, Beil und Feuerstein.
Noch ist unbekannt, warum das Bauernvolk nach etwa 200 Jahren wieder ausstarb. Vielleicht waren Softies schon damals nicht gefragt...