Errichtung eines Cannabis Social Club in Bern

Gerade in der Stadt Bern werden die Widersprüche in der Hanfpolitik immer wieder aufs Deutlichste sichtbar: So hat einerseits das Stadtberner Parlament im Mai mit grosser Mehrheit die Schaffung eines Pilotprojekts für den kontrollierten Cannabis-Verkauf gefordert, andererseits sind in der ersten Septemberwoche 20 Polizeigrenadiere in der Reitschule aufgekreuzt und haben drei Dutzend Hanfpflanzen beschlagnahmt, welche für den Eigenkonsum der AktivistInnen bestimmt waren. Sollen mit dieser Aktion die BetreiberInnen der Reitschule gezwungen werden, sich ihr Kiff nun ebenfalls bei der unseligen Vorplatz-Drogenszene zu besorgen? Es ist ein purer Widerspruch, dass die Polizei durch Verfolgung des Eigenanbaus die Kiffer geradezu zwingt, sich auf dem Schwarzmarkt einzudecken. Seit die Hanfläden nach dem katastrophalen Scheitern der Betäubungsmittelgesetz-Revision 2004 allesamt geschlossen werden mussten, ist der Schwarzmarkt in der Stadt Bern wieder gewachsen und bietet sich als letzte Anlaufstelle für Cannabis-Konsumenten an. Durch Repression am falschen Ort verschärfen Gesetzgeber und Polizei die Probleme, anstatt sie zu lösen - nun ist die Zeit für eine Wende gekommen: Lassen wir nun Taten sprechen und zwingen die Behörden, unsere Rechte zu akzeptieren.

ENCOD, das Europäische Netzwerk von über 1000 europäischen Anti-Prohibitionsvereinigungen, arbeitet seit einigen Monaten an einem Modellvorschlag für ein nicht-kommerzielles Produktions- und Verteilsystem von Cannabis, dem sogenannten Cannabis Social Club (CSC). Die CSC sind legale Vereine, welche ausschliesslich für den Eigenbedarf der volljährigen Club-Mitglieder die professionelle Produktion einer festgelegten Menge Cannabis organisieren. Pflanzung, Transport, Verteilung sowie Konsum unterliegen einer Qualitäts- und Sicherheitskontrolle. Es muss ausgeschlossen sein, dass Drittpersonen durch die Vereinsaktivitäten tangiert werden, ausserdem darf weder Werbung gemacht werden noch das Vereinslokal grossartig beschriftet werden. Auf keinen Fall darf mit den CSC-Pflanzen kommerzieller Handel betrieben werden; alle Club-Mitglieder verpflichten sich, das Cannabis weder zu verkaufen noch zum Konsum an Dritte weiterzugeben (Jugendschutz!)

In Spanien und Belgien haben sich mittlerweile bereits einige CSC etabliert. Auch in anderen Ländern laufen Abklärungen und Initiativen für ähnliche Modelle. Je nachdem welche gesetzlichen Rahmenbedingungen und politischen Möglichkeiten in den jeweiligen Ländern herrschen, können (oder müssen) sich die lokalen CSC in Struktur und Form unterscheiden. In fortschrittlicheren Ländern oder Regionen können die Clubs ihren Mitgliedern zusätzlich ein freies Clublokal für die gepflegte Konsumation bieten - ein wesentlicher Beitrag zur Separierung des Hanfes aus dem Drogenmarkt und zur Erkennung von Problemkonsumenten.

Die Vorteile der Cannabis Social Clubs gegenüber der heutigen Situation sind zahlreich und auch für „Unbeteiligte“ positiv spürbar. Dieses Modell deckt die Menge für den bestehenden Eigenbedarf und dämmt damit den kommerziellen Im-/Export von Cannabis ein, was also mit den geltenden internationalen Konventionen durchaus vereinbar ist. In dem man den Hanfkonsumenten die Möglichkeit gibt, sich ihren Eigenbedarf im Rahmen von CSC zu organisieren, wird der Schwarzmarkt viel von seiner Attraktivität verlieren. Das CSC-Cannabis wird unter Berücksichtigung der besten Methoden in Gesundheits- und Umweltschutz produziert. Durch die CSC können viele der brennenden Probleme, welche auf - und gerade wegen - dem florierenden Schwarzmarkt herrschen, eingedämmt oder ganz vermieden werden: fehlende Information und Produkte-Deklaration (THC-Gehalt), ungewisse Qualität, hohe Preise, Verkauf an Minderjährige, Gewalt, Belästigung durch offene Szenen, etc.

Die Behörden könnten eine verantwortliche Instanz definieren, welche die gesamten Aktivitäten der CSC vom Anbau bis zum Konsum mittels Stichproben kontrolliert. Die CSC schaffen Arbeitsplätze und generieren eine nicht unerhebliche Zahl an Umsatz, aus dem wiederum Steuern gewonnen und die maroden Staatskassen gefüllt werden. Für die Hanfkonsumenten bedeutet das System der CSC eine rasch umsetzbare Alternative zum Schwarzmarkt.

Um der Stadt Bern unsere Entschlossenheit zu demonstrieren, werden wir per sofort in der Reitschule einen Pilotversuch mit folgenden Kriterien zu organisieren beginnen:
- Biologischer Anbau
- Öko-Strom
- vernünftige genetische Selektion
- Produkte-Information
- angemessen individuell definierte Menge
- monatlicher Mitgliederbeitrag
- diskreter und gesicherter Anbau sowie Vertrieb
- keine Werbung
- Verpflichtung der Mitglieder zwecks Beschränkung der Grösse und des Eindringens unerwünschter Elemente.

Erschaffen wir uns auf dieser konkreten Basis die längst fällige Lösung der „Hanffrage“!

Autor: Laurent Appel
Übersetzung: Willi Blaser

P.S.

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