Ein Schuss Heroin ist gleich teuer wie ein Joint

Die Preise für Gras sind massiv gestiegen. Aktuell kostet ein Joint in Zürich so viel wie eine Portion Heroin. Das gibt den Befürwortern der Hanfinitiative Auftrieb für die Abstimmung vom 30. November.

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 16.10.2008 82 Kommentare

«Heute kosten fünf Gramm Gras 100 Franken. Früher hat man in Zürich für dieses Geld die doppelte Menge Cannabis erhalten», sagt ein Hasch-Konsument gegenüber Tagesanzeiger.ch. Doch seit die Polizei verstärkt gegen die illegalen Hanfläden und die Cannabis-Produzenten vorgehe, seien die Preise explodiert. Und: Die Repression hat zur Folge, dass Gras in der Stadt nur noch auf der Gasse erhältlich ist.

«Dadurch kommt es zu einer Vermischung der Angebote. Dealer verkaufen gleichzeitig Cannabis und harte Drogen», sagt Ueli Spörri, Geschäftsleiter der Zürcher Arbeitsgemeinschaft für risikoarmen Umgang mit Drogen (Arud). Das führe zwar nicht dazu, dass Kiffen als Einstieg für andere Drogen dient, «doch wenn eine Nachfrage besteht, kann diese leichter gedeckt werden.»

Joint und Schuss kosten gleich viel

Brisant ist, dass die Preise für Kokain und vor allem Heroin gesunken sind. Gemäss Recherchen von Tagesanzeiger.ch sind fünf Gramm Heroin bereits ab 120 Franken erhältlich. Daraus kann sich ein Konsument bis zu 15 Schüsse setzen. Somit kommt ein Joint gleich teuer zu stehen wie ein Schuss Heroin.

Weil die Hanfinitiative, die am 30. November zur Abstimmung kommt, einen staatlich kontrollierten Handel von Cannabis vorsieht, wird sie von den Fachleuten der Arud befürwortet. Durch den legalen Erwerb, Anbau und Konsum würden die Preise sinken und die Kiffer müssten ihre Drogen nicht mehr auf der Gasse besorgen.

«Es hat sich zudem klar gezeigt, dass das Verbot von Cannabis keine Wirkung zeigt. Täglich konsumieren Zehntausende diese Drogen», sagt Spörri. «Das hat in der Praxis zu einer rechtlich unklaren Situation geführt.» So wird beispielsweise in privaten Räumen Cannabis konsumiert und an verschiedenen Orten wie in Clubs und an Konzerten ist das Kiffen toleriert. «Erst mit einer klar festgelegten Legalisierung könne eine eindeutige Rechtslage geschaffen werden», sagt Spörri.