Drogenklau in Grenchen: Lagerraum war gar nicht abschliessbar
http://www.grenchen.net 23. März 2009 (Paul-Georg Meister)
Fast zwei Wochen ist es her, dass im Grenchner Werkhof 100 von der Polizei bei einer Razzi sichergestellte Canabis-Pflanzen geklaut wurden. Über die Täterschaft weiss man nach wie vor nichts. Die Polizei jedenfalls will den Medien keine Auskünfte geben.
Tappt die Polizei nach wie vor im Dunkeln? Oder hat sie eine heisse Spur? Verfolgt sie konkrete Hinweise? All diese Fragen müssen vorderhand offen bleiben, denn die Polizei will zum Hanfklau im Grenchner Werkhof den Medien keine Auskünfte mehr geben. Der Mediensprecher der Polizei lapidar: „Die Ermittlungen laufen – wenn es etwas zu sagen gibt, werden wir ein Communiqué veröffentlichen.“
Die Vorgeschichte: Bei einer Razzia erbeutete die Polizei rund 500 Canabispflanzen. Diese wurden beschlagnahmt und in einem Raum des Grenchner Werkhofes zwischengelagert. Allerdings verfügen mindestens 45 Personen über einen Schlüssel zu diesem Raum – und so sind 100 erntereife Pflanzen in der Zwischenzeit geklaut worden (wir berichteten).
Viel Raum für Spekulationen
Dass die Polizei keine Auskunft geben will lässt Raum für Spekulationen offen. In Grenchen jedenfalls brodelt die Gerüchteküche. Ein pikantes Detail am Rande, der Raum war zwar abschliessbar und insgesamt 45 Personen verfügten über einen Schlüssel. Doch allem Anschein nach braucht es zum Betreten des Raumes gar keine Schlüssel, es existiert auch eine Tür, die nicht abschliessbar ist. Damit dürfte sich der Kreis der Verdächtigen viel weiter als „nur“ um 45 Personen ziehen. Ein Mitarbeiter des Stadtbauamtes bringt es auf den Punkt: „Man hätte das Gras genau so gut auf dem Grenchner Marktplatz lagern können.“
Wer ist verantwortlich?
Genau diesen Raum als Lagerraum auszuwählen ist eine unentschuldbare Fehlleistung. Doch für diesen Entscheid will niemand verantwortlich sein. Polizei und Stadtbauamt schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Mit etwas gesundem Rechtsempfinden und Menschenverstand sollte man allerdings schon meinen, dass grundsätzlich die Polizei - in diesem Fall die Kantonspolizei - für die Lagerung konfiszierter Drogen verantwortlich sein müsste. Es soll dazu im ganzen Kanton auch verschiedene sichere Räume geben - warum die Drogen in diesem Fall nicht in einem besser gesicherten Raum untergebracht wurden, ist nicht bekannt.
Und so geht das Verwirrspiel weiter und man kann wohl gespannt sein, welche Details – trotz Nachrichtensperre der Polizei - in den kommenden Tagen noch an die Öffentlichkeit gelangen werden.