Drogencharta der SFA

Substanzspezifische Forderungen

 Alkohol
 Tabak
 Medikamente
 Illegale Drogen

(Alkoholprävention, Drogenprävention, Tabakprävention, Alkoholpolitik, Drogenpolitik, Tabakpolitik)

Alkohol

Forderungen zur Angebotslenkung
 Inflationsangepasste Besteuerung alkoholischer Getränke, so dass ihre ökonomische Erhältlichkeit nicht vergrössert wird
 Sozialkosten deckende Besteuerung aller alkoholischen Getränke
 Eine Verschärfung bzw. die Beibehaltung der gesetzlichen Werbebestimmungen für alkoholische Getränke
 Einführung von Warnaufschriften auf Behältnissen für alkoholische Getränke
 Aufrechterhaltung der Bedürfnisklausel und anderer die Zugänglichkeit zu alkoholischen Getränken vermindernden Massnahmen
 Durchsetzung bestehender Trinkaltersvorschriften zum Zwecke des Jugendschutzes

Forderungen zur Nachfragebeeinflussung
 Bevölkerungsweite und zielgruppenspezifische Sensibilisierungs- und Informationskampagnen
 Zielgruppenspezifische Erziehungsprogramme mit dem Zweck, risikoarme und schadenreduzierende Alkoholkonsummuster zu propagieren
 Erarbeitung und flächendeckende Einführung von Präventionsprogrammen für Schule, Eltern, Freizeitorganisationen und Gemeinden

Forderungen zur Unfallverhütung
 Senkung der gesetzlichen Promillegrenze auf 0,5, pädagogische Empfehlung 0,0
 Einführung verdachtsfreier Atemluftkontrollen im Strassenverkehr
 Verstärkte und systematische Polizeikontrollen zur Durchsetzung bestehender Promille-Grenzen
 Verschärfte Fahrausweisentzugspraxis bei wiederholt alkoholauffälligen Fahrzeuglenkern
 Gesetzliche Grundlagen zur Abklärung des Vorliegens einer Alkoholabhängigkeit bei wiederholt alkoholauffälligen Fahrzeuglenkern
 Flächendeckende Rehabilitationsmassnahmen bei alkoholauffälligen Fahrzeuglenkern

Forderungen zur Früherkennung
 Entwicklung und Einführung von Früherkennungs- und Rehabilitationsprogrammen in der Arbeitswelt unter spezieller Berücksichtigung von Mittel- und Kleinbetrieben
 Entwicklung und Einführung von Früherkennungs- und Rehabilitationsprogrammen in Arztpraxen und Spitälern

Tabak

Forderungen zur Angebotslenkung
 Konsumlenkungssteuer auf allen Tabakwaren
 Verbot jeglicher Werbung und Produkteförderung für Tabakwaren bzw.
 Aufdruck von Gesundheits-Warnaufschriften auf Werbematerialien
 Verbot von Zigarettenautomaten
 Verbot des Verkaufs von Tabakprodukten an Jugendliche unter 16 Jahren
 Rigoroser Schutz der Nichtraucher am Arbeitsplatz, in öffentlichen Gebäuden und Transportmitteln

Forderungen zur Nachfragelenkung
 Kampagnen zu Informationen über die Gesundheitsrisiken des Tabakkonsums
 Erziehungsprogramme zur Förderung des Nicht-Rauchens
 Spezifische Nachfragebeeinflussung für bestimmte Risikogruppen des Tabakkonsums (Jugendliche, Lehrlinge, schwangere Frauen, Personen mit beruflicher Schadstoffexposition)
 Kampagnen zur Propagierung der Aufgabe des Rauchens
 Flächendeckendes Angebot von Aufhörhilfen

Forderungen zur Früherfassung
 Tabakbezogene "minimale Interventionen" (Sensibilisierung, Raucher-Check-ups, Nichtraucher-Schulungen) im medizinischen Bereich (Arztpraxis) und in der Arbeitswelt

Medikamente

Ein hoher Anteil der verkauften bzw. konsumierten Medikamente kommt im Rahmen der Krankheitsbekämpfung und Symptomlinderung medizinisch sinnvoll zur Anwendung. Missbrauch liegt dann vor, wenn ein Arzneimittel ohne medizinische Notwendigkeit oder in unnötigen Mengen verwendet wird. Längerdauernder, regelmässiger Konsum von Medikamenten - auch in geringen Dosen - kann zur Abhängigkeit führen.

Forderungen zur Angebotslenkung
 Verhütung zweckentfremdeten Gebrauchs von Arzneimitteln
 Strenge pharmakologische Kontrolle vor der Zulassung eines Medikaments zur Erhöhung der Arzneimittelsicherheit
 Beschränkungen der Werbung und der Verkaufsförderung für Arzneimittel mit Abhängigkeitspotential
 Optimierung der galenischen Form von Arzneimitteln
 Verschreibungspflicht für Medikamente mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential
 Eine zurückhaltende ärztliche Verordnungspraxis, um das Risiko iatrogener Medikamentenabhängigkeit (besonders im Niedrigdosis-Bereich) zu verhüten
 Industrieunabhängige Fort- und Weiterbildung der Ärzteschaft zwecks Verbesserung fachgerechter Verschreibungen bzw. medikamentenfreier Behandlungsalternativen

Forderungen zur Nachfragebeeinflussung
 Sachgerechte Arzneimittelinformation für die Allgemeinbevölkerung und für bestimmte Hochkonsum- oder Risiko-Gruppen (z.B. ältere Menschen oder Kinder/Jugendliche)
 Sensibilisierung der Bevölkerung hinsichtlich eines sachgerechten Umgangs mit Medikamenten
 Kampagnen gegen eine Pharmakologisierung der Lebensgestaltung und Lebensprobleme, ohne grundsätzlich "medikamenten-feindlich" zu sein. Besonders Psychopharmaka und Medikamente mit hohem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential (z.B. Laxantien) sollten nur in Form eines "informierten Gebrauchs" eingenommen werden
 Bessere Konsumentenaufklärung und die Entwicklung wirksamer Kontrollinstrumente hinsichtlich des Medikamentengebrauchs bei der Verkehrsteilnahme

Illegale Drogen

Forderungen zur Angebotslenkung
 Obwohl die SFA den Betäubungsmittelkonsum als sozial unerwünscht betrachtet, bejaht sie das Prinzip der Straffreiheit des Konsums von Betäubungsmitteln, und zwar aus Gründen der Rechtsgleichheit sowie aufgrund von kriminologischen und präventiven Überlegungen
 Der Konsum von Betäubungsmitteln in der Öffentlichkeit, d.h. auf der Bevölkerung zugänglichen Strassen und Plätzen bzw. in jedermann zugänglichen Gebäuden soll aus Gründen der öffentlichen Ordnung als sozial unerwünscht weiterhin untersagt bleiben. Der Betäubungsmittelkonsum auf Strassen, öffentlichen Plätzen und Gebäuden schüfe präventiv ungünstige Verhaltensmodelle und stellte eine Störung der öffentlichen Ordnung dar, die von einer Mehrheit der Bevölkerung nicht akzeptiert würde
 Zur Durchsetzung des Verbots des Konsum von Betäubungsmitteln in der Öffentlichkeit können Ordnungsbussen in der maximalen Höhe gefällt werden, die nicht zu einem Eintrag in kantonale oder eidgenössische Register führen
 Mit dem Fällen von nichteintragbaren Ordnungsbussen für den Konsum von Betäubungsmitteln in der Öffentlichkeit wird der Kostenaufwand der Strafverfolgung minimiert und die Initiierung von Karrieren abweichenden Verhaltens verhindert. Zwar ist damit die Rechtsgleichheit zum Alkohol- und Tabakkonsum nicht völlig hergestellt, doch entspricht ein Verbot des Konsums von Betäubungsmitteln in der Öffentlichkeit analogen Bestrebungen hinsichtlich des Konsums von Tabakwaren
 Die Straffreiheit des Konsums von Betäubungsmitteln setzt die Straffreiheit des Besitzes sowie des Austausches von zu definierenden Kleinstmengen voraus. Um die Repression des Handels nicht zu erschweren, sollten diese Mengen zum Eigenkonsum nicht mehr als zwei handelsübliche Gassendosen betragen
 Die SFA unterstützt weiterhin die konsequente Repression des Handels mit Betäubungsmitteln
 Die SFA fordert weiterhin die strafrechtliche Verfolgung der Herstellung von und des Handels mit illegalen Drogen. Dies gilt sowohl für die Vorbereitungshandlungen (Bereitstellung von chemischen Precursor-Substanzen) als auch für die Begünstigungen nach erfolgtem Handel (Geldwäscherei). Besonders der organisierte internationale Drogenhandel soll unterbunden werden

Forderungen zur Nachfragebeeinflussung
 Bevölkerungsweite und zielgruppenspezifische Sensibilisierungs- und Informationskampagnen
 Erziehungsprogramme mit dem Ziel, den Einstieg in der Drogenkonsum zu verhindern bzw. einer Habitualisierung vorzubeugen

Forderungen zur Früherkennung
 Früherkennung von drogenbezogenen Schäden und Abhängigkeitsentstehung nach erfolgtem Einstieg ist im Zusammenhang mit der differentiellen Konsumtolerierung ein weiteres Anliegen der präventiven Arbeit. Die Arbeit mit Risikogruppen (z.B. Neueinsteiger und Jugendliche in sozial prekären Situationen) steht dabei im Vordergrund
 Die SFA lehnt Drogentests (Urin, Haar, etc.) in Schulen und Betrieben ab, es sei denn in Hochrisikobereichen der Industrie. Die SFA betrachtet Drogentests bei Schülern und Lehrlingen als untaugliches pädagogisches Konzept

Forderungen zur Überlebenshilfe und zur Schadenbegrenzung
 Die SFA vertritt beim illegalen Drogenkonsum eine Haltung der "Schadensreduzierung" aller direkten oder indirekten Folgeprobleme. Nicht den Konsum als solchen gilt es in erster Linie zu bekämpfen, sondern das Ausmass an Folgeschäden eines missbräuchlichen Drogenkonsums sowie die manifeste Drogenabhängigkeit sind auf ein Minimum zu reduzieren
 Obwohl die Verhinderung des Einstiegs in den Konsum illegaler Drogen als wichtiges Ziel der Prävention gilt, müssen Programme zur Förderung eines "risiko-bewussten bzw. risiko-reduzierten Drogenkonsums" für jugendliche Drogeneinsteiger entwickelt werden
 Die SFA unterstützt Pillentests nur im Sinne einer schadensreduzierenden Konsumenteninformation, d.h. Drogentests dürfen kein Unbedenklichkeitszeugnis sein, sondern stets Anlass zum Dialog mit den Konsumierenden
 Die SFA unterstützt Massnahmen zur Überlebenshilfe bei habituellen Drogenkonsumenten

Forderungen zur Behandlung
 Menschenwürdige und nicht-diskriminierende Behandlung und Betreuung von Menschen mit Drogenproblemen. Zwangsmassnahmen sollen nur äusserst zurückhaltend angewandt werden
 Solidarisches Tragen der Kosten, die durch die Behandlung der Drogen-abhängigkeit entstehen

SFA - Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme