Drogen in der Armee
NZZ Online
22. März 2008
Entlassungen und Bussen als Strafe.
Bern, 20. März. (sda) Bei einer Drogenkontrolle der Militärpolizei bei 32 Armeeangehörigen in der Rekrutenschule in Dailly im Kanton Waadt sind 29 Personen positiv auf den Cannabis-Wirkstoff THC und 1 Person positiv auf THC und Kokain getestet worden. 2 Personen wurden ausserdem als Händler überführt. Letztere wurden umgehend administrativ aus der Rekrutenschule entlassen, wie die Armee mitteilte. Einer der beiden mutmasslichen Händler wird der zivilen Gerichtsbarkeit überwiesen, der andere muss sich wegen weiterer Vergehen vor dem Militärgericht verantworten. Die Drogenkontrolle wurde auf Antrag des Kommandanten der Infrastruktur / Hauptquartier Rekrutenschule durchgeführt, wie es weiter hiess. Der Kommandant verhängte gegen 21 der positiv getesteten Personen Bussen zwischen 200 Franken und 500 Franken. 5 weitere erhalten einen Verweis. Die Rekrutenschule in Dailly zählt insgesamt 186 Soldaten.
Drogen in der Armee
NZZ 23. 03. 2008, Showdown
Francesco Benini
Die Militärpolizei hat in einer Rekrutenschule im Wallis bei 32 Armeeangehörigen eine Drogenkontrolle durchgeführt. Resultat: 29 Rekruten wurden positiv auf Cannabis getestet, ein weiterer hatte dazu Kokain konsumiert. Was ist mit der Schweizer Jugend los? Wie ist das möglich? Stimmen die Testergebnisse? Wie kommen zwei Rekruten dazu, die Rekrutenschule zu absolvieren, ohne dass sie bewusstseinserweiternde Substanzen zu sich nehmen? Der Militärkommandant erteilte Verweise und verhängte Geldbussen – zweifellos eine Überreaktion.
Immerhin sind diese jungen Männer gewillt, Dienst am Vaterland zu leisten. Wer heutzutage nicht mehr in die Armee will, kommt leicht darum herum. Man klagt vor dem Aushebungsoffizier über Symptome, die auf peripheren Weichteilrheumatismus deuten; schon wird man als dienstuntauglich eingestuft. Wer glaubhaft eine Tarnanzug Allergie geltend machen kann, rückt nicht in die RS ein. Nicht zu vergessen die Ballistophobie. Das ist keine Abneigung gegen Schokoriegel, vielmehr handelt es sich um eine beklemmende Angst vor Gewehrkugeln. „Herr Oberst ich bin ballistophob.“ „Abtreten, auf alle Zeiten!“
Nicht hinreichend geklärt hat der Kommandant zudem, auf welchem Weg die Drogen in die Körper der Rekruten gelangt waren. Vielleicht nahmen sie das Cannabis unwissentlich auf.
Wir wollen hier keine Anektoten aus dem Militärdienst ausbreiten. Es gibt nichts Peinlicheres als Leute, die solche Geschichtlein erzählen. Seinerzeit, anno 1990, auf dem Waffenplatz Moudon, bekam Rekrut Bosshard ein Fresspaket, darin ein Schokoladenkuchen. Die Freude im Zug I war gross, als Bosshard Zeugnis seines Altruismus ablegte und den Kuchen verteilte. Unerwähnt liess er, dass die Schokolade im Gebäck mit Halluzinogenen angereichert war. Bei der Zugschule marschierte kein Rekrut im Gleichschritt, drei Kollegen übergaben sich, der Kadi tobte, Bosshard fasste einen ZS (Militärjargon für „Zusammenschiss“) sowie scharfen Arrest.
Im Übrigen liegt die Vermutung nahe, dass sich die Rekruten beim Drogenkonsum ein Vorbild an ihrem obersten Vorgesetzten genommen haben: Verteidigungsminister Samuel Schmid ist ein wandelndes Sedativum.