Dopingfragen: Cannabis ähnlich wie Alkohol
Der Magglinger gilt in Dopingfragen als Hardliner, aber die Cannabis-Regelung passt ihm nicht. «Sie ist den Sportlern gegenüber unfair. Mit den heutigen Methoden ist Cannabis vom Labor über Wochen hinweg nachweisbar, noch dann, wenn die Wirkung für den Sportler längst verpufft ist.»
Dopingexperte Kamber Cannabis ähnlich wie Alkohol 30.08.2006 | 00:04:47
MAGGLINGEN - Mit seiner «Hasch-Briefpost» hat der Davoser Hockeystar Peter Guggisberg die Diskussion erneut lanciert: Ist Cannabis Doping?
Matthias Kamber, Dopingspezialist an der Sport-Hochschule Magglingen, findet die pauschale Bestrafung von Cannabis-Sündern nicht zeitgemäss. «Aber weil die Welt-Antidoping-Agentur Wada Cannabis seit 2004 generell auf der Dopingliste hat, müssen auch wir uns daran halten und die Fälle entsprechend mit Sperren sanktionieren», sagt Kamber.
Der Magglinger gilt in Dopingfragen als Hardliner, aber die Cannabis-Regelung passt ihm nicht. «Sie ist den Sportlern gegenüber unfair. Mit den heutigen Methoden ist Cannabis vom Labor über Wochen hinweg nachweisbar, noch dann, wenn die Wirkung für den Sportler längst verpufft ist.»
Kamber glaubt auch nicht an eine grosse Leistungssteigerung für einen Kiffer. «Cannabis bewirkt zwar eine schnelle Entspannung, es nimmt das Angstgefühl.» Aber daneben gebe es auch den negativen Effekt von Konzentrations- und Koordinationsschwierigkeiten.
Beantragt also Swiss Olympic bei der Wada die generelle Streichung von Cannabis aus der Dopingliste?Soweit geht Kamber nicht: «Unser Vorschlag ist, Cannabis wegen der ähnlichen Wirkung gleich zu behandeln wie Alkohol.» Das würde bedeuten, dass im Motorsport, beim Billard, beim Schiessen, beim Karate und im modernen Fünfkampf Kiffer weiterhin bestraft würden.