CannaBioland-Affäre wird zum Spielfilm
Dreharbeiten zu "Lücken im Gesetz" bei Hanfbauer Armin Käser in Litzistorf In Freiburg wird derzeit der Spielfilm "Lücken im Gesetz" gedreht. Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder tatsächlichen Ereignissen ist nicht etwa zufällig, sondern voll beabsichtigt: wird hier doch der Fall "CannaBioland" filmisch verarbeitet.
Auf den ersten Blick ist es wie ein "Déjà vu": Beim Betreten des Hofes von Hanfbauer Armin Käser in Litzistorf bei Bösingen gestern Vormittag scheint man unwillkürlich in eine Zeitschleife geraten zu sein. Polizeiautos sind auf dem Hof, in Lieferwagen werden beschlagnahmte Hanfprodukte eingeladen, es herrscht eine gewisse Hektik. Genauso war es 1997, als auf dem Landwirtschaftsbetrieb eine von den Untersuchungsbehörden angeordnete gross angelegte Razzia stattgefunden hat. Rund vier Tonnen Hanf und die verschiedensten Materialien wurden damals beschlagnahmt. Spätestens beim zweiten Blick wird dann aber schnell klar, dass hier keine Zeitreise stattgefunden hat: Schliesslich sind die vielen Kameras, die technischen Instrumente, Stative, Kabel und die vielen Filmleute nicht zu übersehen - der grosse Hof in Litzistorf ist zum Drehplatz eines grossen Fernsehfilmes geworden.
Spannendes Justizdrama Was nächstes Jahr in der Reihe "Fernsehfilm SF DRS" zur besten Sendezeit am Sonntagabend ausgestrahlt wird (Termin noch nicht bekannt), ist eine Geschichte, die - wie es so schön heisst - auf wahren Begebenheiten beruht. Für Orts- und Sachkundige ist "Lücken im Gesetz" - so lautet der Arbeitstitel des Films - die Umsetzung einer wohl bekannten Geschichte. Schliesslich hat der Fall "CannaBioland" in den letzten Jahren nicht nur im Kanton Freiburg ziemlich viel Staub aufgewirbelt. Für den Rest der Schweiz ist es ein spannendes Justizdrama, in dem eine junge Anwältin namens Lisa Zürcher in die rechtlichen Wirren eines komplizierten Hanf-Falles verwickelt wird.
Freiburger Justizposse
Auf die Razzia 1997 folgten die ausgedehnten Ermittlungen der Untersuchungsbehörden und schliesslich der aufsehenerregende Prozess vor dem Bezirksgericht Tafers. Oder vielmehr die Prozesse, denn der Fall war aus den verschiedensten Gründen mehrfach verhandelt, abgebrochen, verschoben und unterbrochen worden. Unerlaubte Absprachen, befangene Richter, Verfahrensmängel und juristische Finten liessen den Fall zu einer spektakulären, aber auch äusserst komplizierten Justizposse werden - genug Stoff also für einen Spielfilm.
"Es ist mehr Fiktion als Realität, wir erzählen die Geschichte aus einer anderen Sichtweise", erklärt Lina Geissmann von der Produktionsfirma in einem Interview. Regisseur Christof Schertenleib, der zusammen mit Felix Benesch das Drehbuch schrieb, hat im Vorfeld ausgedehnte Recherchen betrieben. Was die tatsächlichen Ereignisse betrifft, hat man sich so weit wie möglich an die Realität gehalten. Um die Geschichte spannend zu halten, musste sie aber auch angepasst werden.
Zurück zum Drehort: Dort wird gerade eine Szene der Razzia gedreht. Martin Rapold spielt den jungen Hanfbauer. Was im Film später wohl nur ein paar Sekunden zu sehen ist, dauert hier seine Zeit. Zwei Polizisten tragen kistenweise Hanfprodukte aus dem kleinen Laden heraus, der Hanfbauer folgt ihnen, beschimpft und provoziert sie: «Wollt Ihr nicht auch noch mein Hemd mitnehmen, das ist auch aus Hanf, das könnte man ja rauchen!» Die Szene wird mindestens 25 Mal wiederholt und geprobt, bis sie zur Aufnahme bereit ist.
"Polizist" Ivo Stritt
In einer der beiden Polizei-Uniformen steckt der Freiburger Theaterschauspieler Ivo Stritt. Für ihn ist das Drehen eines Spielfilms eine Premiere. «Es ist interessant und spannend, einmal so etwas mitzuerleben.» Die Produktionsfirma Fama Film AG suchte ursprünglich nach Freiburger Schauspielern und hat dazu auch Ivo Stritt für die Hauptrolle gecastet. Mangels Filmerfahrung wurden die Rollen dann aber mit anderen Schweizer Schauspielern besetzt. "Es hat mich aber gefreut, dass ich trotzdem eine kleine Rolle bekommen habe", meint Ivo Stritt. Neben der Razzia auf dem Hof hat er auch noch Drehtage im Gericht Tafers, bei einer Verkehrskontrolle und bei einer Aktion in den Räumen von Radio Freiburg.
"Kein Happy End"
Fiktion und Realität klaffen auch auseinander, was das Ende des Films betrifft. Während in der Wirklichkeit die Affäre CannaBioland noch nicht erledigt ist, hat der Film ein "logisches Ende", wie TV-Redaktorin Susann Wach Rêzsa sagt. "Kein Happy End allerdings, eher ein offener Schluss", ergänzt Lina Geissmann.
Drehen anOriginalschauplätzen
Das Filmteam stosse bei seinen Arbeiten in der Schweiz meist auf sehr gute Aufnahme durch Behörden und Bevölkerung, sagt Susann Wach Rêzsa, Redaktorin der Rubrik Fernsehfilm bei SF DRS. Auch in Freiburg stiess man auf offene Türen, konnte zum Beispiel im Amtshaus Tafers drehen, im Espace Jean Tinguely-Niki de St-Phalle, bei Radio Freiburg oder eben auch auf dem Hof von Hanfbauer Armin Käser.
Besonderes Entgegenkommen kam von der Kantonspolizei Freiburg. Sie stellte den Filmleuten nicht nur Polizeiautos, Uniformen und andere Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung, sondern sogar echte Hanfware aus den Beschlagnahmungsbeständen der Polizei. Polizeisprecherin Francine Zambano sagte, dass man hiermit einen Beitrag zur Glaubwürdigkeit des Films leisten wollte im.